Wie gesund ist Milch?

Wie gesund ist Milch für Senioren?

Viele von uns sind in einer Zeit aufgewachsen, da galt Milch als der Inbegriff eines gesunden Lebensmittels. Mittlerweile häufen sich die Stimmen, die vom Gegenteil überzeugt sind.
Was steckt dahinter?

Ob frisch im Glas, als Käse, Butter oder Joghurt, Milch gehört für viele zum Alltag. Milch und Milchprodukte zählen in Deutschland zu den beliebtesten Nahrungsmitteln. 2018 lag der durchschnittliche Verbrauch in Deutschland bei 50,6 Kilogramm Trinkmilch pro Person, dazu kamen 24,1 kg Käse sowie diverse andere Milchprodukte.

In vielen afrikanischen und asiatischen Ländern wäre so ein hoher Milchkonsum undenkbar. Dort sind fast alle Erwachsenen lactoseintolerant. Weltweit sind nur etwa ein Drittel aller Erwachsenen in der Lage, größere Mengen Laktose zu verdauen.

Milchgenuss ist nicht selbstverständlich

Ursprünglich besaßen nur Babys und Kleinkinder in allen Ländern dieser Welt das Enzym namens Laktase, welches den in der Milch enthaltenen Zucker spaltete. Nach diesen ersten Jahren produzierte der Dünndarm keine Laktase mehr. Ohne dieses Enzym bleibt der Milchzucker im Dickdarm, dort zersetzen ihn Bakterien, wobei Milchsäure und Kohlendioxid als Abfallprodukte entstehen, die Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen oder gar Darmkoliken auslösen. Die typischen Symptome einer Laktoseintoleranz auch Milchzucker-
Unverträglichkeit genannt.

Die Fähigkeit, Milchzucker auch über das Säuglingsalter hinaus zu verdauen, ohne Krämpfe und Magenbeschwerden zu bekommen, entstand durch eine Genmutation. Eine äußerst nützliche Mutation, denn Milch hat sich als energiereiches Nahrungsmittel erwiesen. In den Anfängen der Landwirtschaft war es ein bedeutender Vorteil, Milch verdauen zu können, da es nicht nur bei Ernteausfällen bedeutete, eine zusätzliche Nahrungsquelle zu haben.

Milch enthält nährreiche Inhaltsstoffe

Ein überzeugendes Argument für Milch und Milchprodukte sind die darin enthaltenen Nährstoffe. So enthält Milch beispielsweise hochwertige Eiweiße, die viele für den menschlichen Körper lebensnotwendige Aminosäuren enthalten. Außerdem ist Milch reich an zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen wie Zink, Jod und natürlich Kalzium, das wichtig für Knochen und Zähne ist. Starke Knochen sind für die Gesundheit und Mobilität bis ins Alter eine grundlegende Voraussetzung.

Kalzium ist für das Wachstum und die Entwicklung der Knochen unentbehrlich. Wegen ihres hohen Gehalts an Kalzium und Vitamin D gilt Milch als gesunde Kalziumquelle. In einem Glas Milch sind 200 Milligramm davon enthalten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt den täglichen Verzehr von Milchprodukten, wobei 200 bis 250 ml Milch und Milchprodukte sowie 50 bis 60 Gramm Käse als Richtwerte gelten.
Für ein stabiles Knochengerüst und um Osteoporose vorzubeugen, sollte die Basis dafür bereits in der Kindheit und Jugend gelegt sein. Es funktioniert nicht, Versäumnisse aus der Kindheit im Alter nachzuholen. Als gesicherte Erkenntnis diverser Forschungen, wissen Mediziner heute, dass neben der Ernährung, der Faktor Mobilität wichtig ist, um Knochenabbau zu vermeiden. Regelmäßige Bewegung schützt die Knochen.

Schadet ein hoher Milchkonsum der Gesundheit?

Beobachtungsstudien zeigten, dass Menschen, bei denen täglich 200 bis 300 Gramm Milchprodukte auf dem Speiseplan stehen, auch als Senioren seltener an Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und anderen Herz-Kreislauferkrankungen leiden als Vergleichsgruppen. Zudem deutet einiges darauf hin, dass Milchkonsum eventuell vor Dickdarmkrebs schützt. Doch übermäßiger Genuss birgt womöglich auch Risiken. Studienergebnissen zufolge haben Männer, die viel Milch konsumieren, ein doppelt so hohes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Allerdings müsste man mehr als einen Liter täglich trinken, um in den Risikobereich zu geraten. Ob das Wachstumshormon IGF1 für das erhöhte Risiko verantwortlich ist, oder der Zusatz anderer Inhaltsstoffe, darüber gibt es bisher keine eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Einer schwedischen Studie zufolge fand sich ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten Sterblichkeitsrate und einem überdurchschnittlichen Milchkonsum. Demnach hatten Frauen, wenn sie jeden Tag drei Gläser Milch tranken, ein deutlich höheres Risiko, vorzeitig zu sterben als es bei einem Glas täglich der Fall wäre. Bei drei Gläsern täglich liegt die verzehrte Menge mit 600 Gramm deutlich über der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Richtlinie. Außerdem ist fraglich, ob der Milchkonsum tatsächlich die Ursache der erhöhten Sterblichkeit war.

Da ein Liter Milch etwa 650 Kilokalorien enthält, stellt sich die Frage, ob ein hoher Milchkonsum zu Übergewicht führt. Aufgrund ihrer hohen Nährstoffdichte und des Energiewerts zählt Milch zu den Nahrungsmitteln und nicht zu den Getränken. Als Durstlöscher ist sie eher nicht geeignet. Der Verdacht, dass sie zu den sogenannten Dickmachern zählt, liegt daher nahe. Der Rat, fettarme Milchprodukte zu bevorzugen, ist nach neueren Forschungsergebnissen nicht erforderlich. Das in der Milch enthaltene Fett kann der menschliche Körper leicht in Energie umwandeln. Studien zufolge sind Milchtrinker sogar schlanker als Nicht-Milchtrinker. Erklären lässt sich dieser positive Effekt auf das Körpergewicht durchaus. Die Proteine aus der Milch sättigen lang anhaltend und Kalzium kann Fettanteile binden und somit in geringem Maße verhindern, dass diese gespeichert werden. Allerdings ist dieser Effekt nicht zu überschätzen und als Ausgleich für eine ansonsten ungesunde Ernährung nicht geeignet.

Milchprodukte bei Laktoseintoleranz

In Deutschland haben etwa 85 Prozent der Bevölkerung keine Probleme damit, die in der Milch enthaltene Laktose zu verdauen. Die Symptome einer Laktoseunverträglichkeit variieren von Mensch zu Mensch. Das können Magenbeschwerden mit Krämpfen, Übelkeit oder Erbrechen sein oder auch Darmbeschwerden und Durchfall. Doch nicht immer sind Darmbeschwerden und ähnliche Symptome tatsächlich der Hinweis auf eine Laktoseintoleranz. Wer nach den Mahlzeiten unter gesundheitlichen Problemen leidet, sollte im Zweifelsfall einen Arzt aufsuchen, um ernsthafte Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Zum Nachweis einer Laktoseunverträglichkeit ist ein Atemtest ausreichend. Liegt eine Milchzuckerunverträglichkeit vor, kann eine fundierte Ernährungsberatung hilfreich sein, ist nicht zwangsläufig der Verzicht auf Milchprodukte notwendig. So erlauben beispielsweise spezielle Laktase-Präparate den gelegentlichen Verzehr handelsüblicher Milchprodukte.

Es ist allerdings ein Irrtum zu glauben, dass Schafsmilch oder Ziegenmilch und die daraus hergestellten Produkte keine Laktose enthalten und daher verträglicher sind. Der Laktosegehalt ist ähnlich hoch wie bei Kuhmilch, lediglich im Geschmack gibt es deutliche Unterschiede. Dennoch stellt eine laktosefreie Ernährung heutzutage kein Problem dar. Dafür sorgt schon die große Vielfalt laktosefreier Milchprodukte, die fast überall erhältlich sind.

Trotz aller gesundheitlichen Vorzüge der Milch für alle Altersklassen, vom Säugling bis zu den Senioren, muss niemand unbedingt Milchprodukte zu sich nehmen. Alle darin enthaltenen Nährstoffe können wir auch über andere Lebensmittel zu uns nehmen. So stecken beispielsweise die Vitamine B2 und B12 in Fleisch, Kalzium in grünem Gemüse wie Grünkohl, Blattspinat und Brokkoli und als hochwertiger Eiweißlieferant gelten Sojaprodukte. Lediglich Veganer benötigen ein Vitaminpräparat, um ihren Bedarf an Vitamin B12 zu decken.

 

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