Tiere als Therapeuten

„Tierische“ Freunde im Seniorenheim – Therapeutische Vorteile und Nutzen

„Tierische“ Freunde im Seniorenheim – Therapeutische Vorteile und Nutzen

Haustiere bringen Freude und Leben ins Haus und bilden für den Menschen oft eine innige Verbindung mit einem anderen Lebewesen, die häufig erst mit dem Tod des Vierbeiners oder gefiederten Freundes endet. Doch sie bedeuten auch Verantwortung. Inzwischen haben zahlreiche wissenschaftliche Studien die Wirkung von Tieren auf den Menschen untersucht und kommen zu erstaunlichen Ergebnissen. Offenbar wirken sie vor allem auf Kinder und Senioren besonders wohltuend, so dass immer mehr Senioren- und Pflegeheime dazu übergehen, Hunde, Katzen oder Kaninchen entweder als ständige Bewohner aufzunehmen oder regelmäßig Treffen mit Therapiehunden etc. anzubieten.

Tiere: Die besten Freunde des Menschen

Was die meisten Haustierbesitzer ganz spontan wissen, das haben Wissenschaftler gezielt herausgefunden und untermauert. Tiere leisten für den Menschen eine ganze Menge: Durch ihre schiere Anwesenheit spenden sie Trost und die Wärme eines anderen Lebewesens, wobei dies umso mehr gilt, je enger die Beziehung ist, die zum Tier aufgebaut wird. Sie begegnen ihren Mitgeschöpfen vorurteilsfrei, ohne Wertung und mit bedingungsloser Liebe. Wie bereits Mark Twain wusste: „Tiere sind die besten Freunde. Sie stellen keine Fragen und kritisieren nicht.“
Gedanken an Krankheit oder Tod sind ihnen weitaus weniger präsent, sie leben vielmehr im Hier und Jetzt und genießen die Zeit mit ihren menschlichen Freunden. Nicht nur, dass sie vieles wirklich verstehen, sie sind auch in der Lage, Schwerkranken das Gefühl zu vermitteln, dass sie sie verstehen, denn sie kommunizieren hauptsächlich über die Ebene der Beziehung. Sehen wir eine Katze oder einen süßen Hund, fühlen die meisten von uns den spontanen Impuls, das Tier streicheln zu wollen. Umgekehrt mögen die meisten Haustiere menschliche Streicheleinheiten. Es besteht also der beiderseitige Wunsch nach Kontakt. Durch den engen Kontakt mit einem Tier werden wird selbst zu empathischeren Menschen, die mehr Gefühl für andere Lebewesen entwickeln.

Nicht zuletzt sind Tiere eine Aufgabe und im Alter, wenn Beruf, Kindererziehung und Ähnliches hinter uns liegen, fühlen viele eine Leere, die schwer auszufüllen ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn man auch selbst zunehmend auf Hilfe angewiesen ist. Der Umzug ins Seniorenheim bedeutet ohnehin einen völlig neuen Lebensabschnitt und es kann hilfreich sein, wenn Haustiere, die bislang der tägliche Begleiter der Senioren waren, dies auch weiterhin sein dürfen, nicht zuletzt weil das tägliche Füttern, Streicheln und Versorgen eine erfreuliche Beschäftigung ist und gegen Gefühle der Einsamkeit helfen kann.

Demenzkranke profitieren besonders

Dabei hat man festgestellt, dass offenbar besonders Demenzkranke von der Anwesenheit von tierischen Freunden profitieren. In Deutschland sind rund 1,5 Millionen Menschen von Demenz betroffen, weltweit etwa 47 Millionen. In Ländern, in denen das Durchschnittsalter in den nächsten Jahrzehnten vermutlich noch ansteigen wird, ist dies eine Gruppe von Menschen, die zunehmend an Bedeutung erlangt. Demenz ist dabei – sehr vereinfacht ausgedrückt – ein neurologischer Degenerationsprozess, der geprägt ist vom erhöhten Abbau der Informationsweiterleitungen wichtiger Nervenzellen im Gehirn, der es unter anderem tragischerweise mit sich zieht, dass die Persönlichkeit nach und nach verlorengeht. Es kann deswegen vor allem im fortgeschrittenem Stadium schwierig sein, mit diesen Personen in Kontakt zu treten. Tiere aber leisten hier unschätzbare Dienste, denn alleine durch ihre bloße Anwesenheit wirken sie wie ein Türöffner in die fremde Welt des Demenzkranken. Manchmal kann es für die Betroffenen schon hilfreich sein, dass Fell des Tieres zu berühren, damit der Botenstoff Serotonin ausgeschüttet wird. Es gibt inzwischen auch wissenschaftliche Auswertungen über den Einsatz von Therapietieren bei Demenzkranken. Die Studien kamen zu folgenden interessanten Schlüssen:

  • Die Betroffenen leiden weniger unter Depressionen, sind im Durchschnitt fröhlicher und empfinden wieder mehr Glück.
  • Durch den Kontakt mit Tieren wird vermehrt der Botenstoff Serotonin ausgeschüttet, der mit Wohlbefinden und Glück assoziiert wird.
  • Sie sind insgesamt lebhafter und aktiver: Dies gilt für die Sprache, Mimik und Gestik, aber auch für die Körperbewegungen.
  • Die Mobilität von Demenzkranken verbessert sich.
  • In Gruppen mit Therapietieren ist das allgemeine Sozialverhalten besser, es gibt weniger rivalisierendes Verhalten und es finden generell häufiger Sozialkontakte statt.
  • Betroffene kommunizieren wieder aktiver mit Tieren und Menschen.
  • Therapietiere verbessern das emotionale Empfinden und den emotionalen Ausdruck.
  • Die Senioren werden selbstsicherer, weniger ängstlich und leben stressfreier. Aus diesem Grunde kann auch aggressives Verhalten vermieden oder reduziert werden.
  • Tiere reduzieren Gefühle der Einsamkeit.
  • Tiere sind im Allgemeinen gesundheitsfördernt und wirken therapeutisch und heilend

    Wichtig ist, dass der Einsatz von Therapietieren nicht die einzige Maßnahme bleibt, um Senioren zu aktivieren, sondern ein gesunder Mix aus Freizeit- und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie geistiges Training (zum Beispiel kleine Denk- und Knobelspiele) und weitere soziale Kontakte angeboten werden, damit die Erkrankten möglichst lange fit bleiben. Allerdings sind Therapietiere eine wunderbare, heilende und gesundheitsfördernte Ergänzung für Senioren.

Welche Tierarten sind geeignet?

Bei Therapietieren handelt es sich in den meisten Fällen um Hunde, Katzen oder Kaninchen. Doch auch Wellensittiche können eine gute Beziehung zu Menschen aufbauen. Obwohl es unter den Tierarten einzelne Rassen gibt, die besonders geeignet sind wie die typischen „Schmusehasen“, kommt grundsätzlich jede domestizierte Tierart in Frage, wobei die Tiere von Beginn an den Umgang mit Menschen gewöhnt sein sollten. Dabei ist ferner wichtig, dass es sich um sehr freundliche, gutmütige und geduldige Tiere handelt. Eine Überforderung des Vierbeiners ist dennoch zu vermeiden, aber gerade die Besitzer sollten hierfür ein Auge haben. Diese sollten mit ihren Tieren ein eingespieltes Team bilden.

Therapiehunde

Bei Hunden ist bekannt, dass sie vor allem geeignet sind, um eine therapeutischen Effekt auf den Menschen zu haben. Es gibt spezielle Therapiehunde, die eine besondere Ausbildung durchlaufen, wobei es einerseits darum geht, dass die Tiere bestimmte für den Menschen hilfreiche Aufgaben erlernen, andererseits aber auch die Bedürfnisse der Hunde respektiert werden. Ein Therapiehund durchläuft ein Training, das auf positiver Bestärkung und Belohnung beruht, das Vertrauen zwischen Hund und Besitzer festigt und die Bindung zum Menschen stärkt. Dabei ist es wichtig, Merkmale, die in der Rasse des Hundes begründet sind, zu berücksichtigen. Gute Therapiehunde können unter anderem besonders wirkungsvoll den Kontakt zu Menschen aufbauen und sind einfühlsam und empathisch. Therapiehunde können außerdem für erweiterte Aufgaben wie kleine Spaziergänge eingesetzt werden und unterstützen auf diese Weise die Mobilität.

Alternativen zur Heimtierhaltung: Feste Besuchszeiten

Manche Einrichtungen für Senioren erlauben ihren Bewohnern beim Umzug ins neue Heim ihre vierbeinigen oder gefiederten Freunde mitzubringen. Andere haben hauseigene Therapietiere wie Kaninchen. Ist beides nicht möglich, können Besuchsdienste mit Therapiehunden eine Alternative sein. Dabei werden feste Zeiten vereinbart, wann die Verantwortlichen mit den Tieren in die Einrichtung kommen und es werden Pläne erstellt, wie die Besuche ablaufen. Heimleitung und Verantwortliche verständigen sich im Vorfeld, welche Hunderassen geeignet sind. Es ist dabei eine Selbstverständlichkeit, dass die Tiere in gutem gesundheitlichem Zustand sind und regelmäßig geimpft und entwurmt werden. Entsprechende Atteste vom Veterinär sollten vorliegen. Zudem ist eine Haftpflichtversicherung obligatorisch.

Gibt es Argumente gegen Therapietiere?

Grundsätzlich existiert keine gesetzliche Regelung, die Tierhaltung in Senioreneinrichtungen untersagt. Jedoch existieren auch keine bundesweiten Richtlinien oder Empfehlungen, wie Tiere zum Einsatz kommen sollten. Aus diesem Grunde werden aus Richtung der Seniorenheime manchmal Bedenken angemeldet. Derzeit gibt es regionale Empfehlungen der „International Association of Human-Animal Interaction Organization“, die eine Richtlinie ausspricht, wie und welche Tiere in Senioreneinrichtungen zum Einsatz kommen sollten. Ein Gebot ist zum Beispiel, dass nur Tiere eingesetzt werden, die gutmütig und ruhig sind und durch für sie neue Situationen nicht leicht irritiert werden. Eine artgerechte Unterbringung und Betreuung versteht sich von selbst.

Ausschlusskriterien liegen vor, wenn Senioren Allergien (etwa gegen Tierhaare) aufweisen oder Angst vor Vierbeinern haben. Auch müssen die räumlichen und hygienischen Voraussetzungen erfüllt sein, damit Tiere im Seniorenheim zu Gast sein können. Es sind sowohl Überforderungen der Senioren, der im Seniorenheim Beschäftigten als auch der Tiere zu vermeiden.

Auch in anderen therapeutischen Bereichen hat man übrigens sehr positive Erfahrungen mit Therapietieren gesammelt. Das gilt zum Beispiel für die Arbeit mit psychisch Kranken, mit Kindern oder mit Menschen mit Behinderungen.

Bildquelle

Shutterstock 692521861

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