Spiele im Seniorenalter - haben Videospiele einen therapeutischen Effekt?

Gut oder Schlecht?

Über die negativen Auswirkungen von Videospielen wurden bereits zahlreiche Berichte in den Medien veröffentlicht. Im Gegensatz dazu sind die positiven Auswirkungen von Computerspielen eher wenig bekannt. Allerdings beweisen immer mehr Studien die therapeutische Wirksamkeit und es gibt mittlerweile zahlreiche innovative Möglichkeiten für den Einsatz von Computerspielen im Gesundheitswesen. Vor allen Dingen im Seniorenalter können maßgeschneiderte Spiele dabei helfen, die Konzentration zu verbessern und die Mobilität zu erhöhen. Das Spielen macht nicht nur Spaß und fördert die sozialen Interaktionen, es ist auch ein hervorragendes Gehirntraining. Die therapeutischen Effekte der sogenannten Health Games (Gesundheitsspiele) sind darauf ausgerichtet, die Geschicklichkeit und die Koordination zu verbessern. Außerdem fördern sie die Kreativität und die Teamfähigkeit der Spieler.

Computerspiele für Senioren machen nicht nur Spaß - sie haben auch eine therapeutische Wirkung

Mittlerweile gibt es einige Unternehmen, die sich auf therapeutische Computerspiele im Seniorenalter spezialisiert haben. Diese neuen Technologien kommen bereits bundesweit in Seniorenzentren und Pflegeheimen zum Einsatz und werden sogar teilweise von den Krankenkassen unterstützt.

Therapeutische Computerspiele haben eine nachhaltige Wirkung auf die ganzheitliche Gesundheit von Senioren - das beweisen auch immer mehr Studien. Forscher behaupten sogar, dass Computerspiele helfen können, ältere Menschen mit Depressionen zu behandeln, bei denen Antidepressiva oder andere Behandlungsmethoden keine Wirkung gezeigt haben. In einer Studie mit 11 älteren Patienten fanden Forscher heraus, dass das Spielen bestimmter Computerspiele die Symptome von Depressionen genauso effektiv reduziert wie das Antidepressivum Escitalopram.

In der Studie benutzten die Forscher Computerspiele, die dazu beitragen können, mentale Funktionen wie das Gedächtnis zu stärken. Die Forscher entwickelten ein Computerspiel, bei dem sich Bälle auf einem Videobildschirm bewegten. Die Patienten mussten einen Knopf drücken, wenn die Bälle ihre Farbe änderten. Dieses Spiel half den Forschern, die Aufmerksamkeit und die Genauigkeit der Patienten zu testen. Ein weiteres Spiel bestand darin, mehrere Wortlisten in Kategorien umzuordnen um die Geschwindigkeit und die Reaktionsfähigkeit der Probanden zu ermitteln.

Die Wissenschaftler testeten die Spiele an Teilnehmern im Alter von 60 bis 89 Jahren, die eine schwere Depression hatten und keine Verbesserung der Symptomatik mit Antidepressiva zu verzeichnen war. Die Probanden beschäftigten sich 30 Stunden lang über einen Zeitraum von vier Wochen mit den Computerspielen. Die Patienten erzielten in nur vier Wochen deutliche Verbesserungen während gleichwertige Ergebnisse mit dem Medikament erst nach 12 Wochen zu verzeichnen waren.

Die Wissenschaftler vermuten aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse, dass eine computergestützte Therapie auch Menschen mit anderen Gehirnerkrankungen helfen könnte.

Nachhaltiges Gehirntraining mit Videospielen

Die positiven Effekte auf das Gehirn wurde in mehreren Studien bewiesen. Beispielsweise fanden kanadische Wissenschaftler heraus, dass die grauen Zellen im Hippocampus bei Probanden zunahmen, nachdem sie 3D-Videospiele mit den Schwerpunkten Logik und Rätseln gespielt hatten. In der Studie sollten 33 Menschen im Alter von 55 bis 75 Jahren ein 3D-Videospiel 5 Mal wöchentlich jeweils für eine halbe Stunde spielen. Sechs Monate später untersuchten die Forscher mit Hilfe von MRT und kognitiven Leistungstests die Veränderungen im Gehirn der Probanden. Sie fanden heraus, dass die graue Substanz im Hippocampus zugenommen und das Kurzzeitgedächtis sich verbessert hatte. Außerdem konnten sie eine Verbesserung der Planungsfähigkeit, Entscheidungsfindung, der motorischen Steuerung sowie des Gleichgewichts bei den Teilnehmern feststellen.

Der Hippocampus ist in unserem Gehirn für das Gedächtnis verantwortlich. Genauer gesagt kann er mit einer Schaltstelle verglichen werden, die Lang- und Kurzzeitgedächtnis koordiniert. Hier wird entschieden, welche Informationen vom Kurz- in das Langzeitgedächtnis gelangen. Außerdem steuert der Hippocampus Emotionen wie Angst, Wut und Freude. Bei Funktionsstörungen kann es zu depressiven Verstimmungen, kognitiven Einschränkungen und Gedächtnisverlust kommen. Störungen in diesem Bereich werden beispielsweise auch mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung gebracht.

Die gute Nachricht ist, dass unser Gehirn formbar ist und sich bei entsprechender Förderung weiterentwickelt. Dieses Phänomen wird Neuroplastizität genannt und beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, Neuronen zu regenerieren, neue synaptische Verbindungen herzustellen und sich neu zu strukturieren. Im Gegensatz dazu verkümmert die graue Substanz, wenn das Gehirn keine neuen Dinge lernt. Durch therapeutische Computerspiele können wir unser Gehirn trainieren und nicht nur unsere Konzentration sondern auch unsere Mobilität verbessern.

Forscher deuten darauf hin, dass es bei schwierigen kognitiven Aufgaben dynamische Effekte durch einen Anstieg von Sauerstoff oder Glukose im Gehirn gibt. Die Herzfrequenz ist während der Ausführung kognitiver Aufgaben erhöht, und die Glukoseaufnahme nimmt zu, was darauf hindeutet, dass Mechanismen innerhalb des Herz-Kreislauf-Systems die Lieferung von Stoffwechselsubstraten erhöhen. Diese faszinierende Hypothese legt nahe, dass die physiologischen Mechanismen, die durch eine anhaltende mentale Herausforderung induziert werden, teilweise den Auswirkungen eines erweiterten Praxistrainings zugrunde liegen können.

Wie oft sollten wir Computerspiele konsumieren und welche Spiele sind empfehlenswert?

Die hier beschriebenen Prinzipien der Neuroplastizität erfordern Hunderte bis Tausende von Wiederholungen der zu trainierenden Fähigkeit. Die einfache Wiederholung gewährleistet die Förderung der Gedächtnisgewinnung. Der Vorteil bei Computerspielen ist, dass sie so viel Spaß machen und es keiner Motivation oder Anstrengung bedarf, viele Wiederholungen vorzunehmen. Studien zufolge können Ergebnisse nach etwa 40 Praxisstunden zu verzeichnen sein. Hierbei sind 15- bis 45-minütige Sitzungen an 3-5 Tagen pro Woche empfehlenswert.

Die Spiele sollten in erster Linie Freude bereiten

Wenn wir uns freuen schüttet unser Mittelhirn das Glückshormon Dopamin aus, was unser Gehirn besser funktionieren lässt und die Aufmerksamkeit steigert.

Außerdem sind Computerspiele empfehlenswert, bei denen wir und körperlich bewegen müssen. Durch körperliche Aktivität produziert unser Gehirn Endorphine und die lassen uns glücklich fühlen. Außerdem steigern leichte Bewegungen die allgemeine Mobilität. Denn auf für unseren Körper gelten die gleichen Prinzipien, wie für unser Gehirn: Wer rastet, rostet. Unser Körper ist sehr intelligent und geht sparsam mit Ressourcen um. Was nicht benötigt wird, wird abgebaut. Umgekehrt geschieht das gleiche: Wenn wir uns bewegen und unseren Körper angemessen belasten, machen wir ihm damit klar, dass wir beispielsweise unsere Muskel- und Knochenzellen benötigen. Im Umkehrschluss wird unser Körper an den Stellen neue Zellen produzieren, wo es notwendig ist.

Computerspiele für Gruppen fördern die Teamfähigkeit und machen uns glücklich, weil unser Gehirn das Bindungshormon Oxytocin ausschütten. Oxytocin fördert das Vertrauen und schenkt uns ein wohliges Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Senioren können durch die zahlreichen therapeutischen Vorteile von Computerspielen profitieren

Computerspiele verbessern die Auge-Hand-Koordination und die visuelle Verarbeitung. Durch das Spielen verfolgen wir visuell die Geschehnisse am Bildschirm und müssen die Daten interpretieren und dementsprechend agieren. Die geistige Flexibilität wird erhöht, weil wir schnell verschiedene Aufgaben lösen müssen und dabei eine möglichst geringe Fehlerquote erzielen wollen. Dies hilft dem alternden Gehirn, beweglich und flexibel zu bleiben.

Indem sie das Gehirn in vielen verschiedenen Funktionen aktiv halten, helfen Computerspiele älteren Menschen, einige der Auswirkungen des Alterns auf das Gehirn umzukehren. Zu diesen positiven Effekten gehören die Steigerung der Aufmerksamkeit und die Verbesserung des Gedächtnis. Außerdem wird das abstrakte Denken gefördert und die mentale Flexibilität erhöht sich.

Wer häufig logische Spiele und Rätselspiele konsumiert, verbessert die Leistungsfähigkeit des Kurzzeitgedächtnis. Es kann älteren Menschen helfen, sich besser an Dinge wie Namen, Telefonnummern, Datum und Uhrzeit zu erinnern. Wenn Senioren Videospiele spielen, trainieren sie in der Tat die Erinnerungsfähigkeit des Gehirns.

Viele Computerspiele erfordern, dass der Spieler mehrere Informationen im Auge behalten müssen. Durch die gleichzeitige Ausführung von verschiedenen Aufgaben verbessert sich somit die Multitasking-Fähigkeit von Senioren.

Das Spielen von therapeutischen Computerspielen in der Gemeinschaft bringt Freude und überflutet unseren Körper mit Glückshormonen und Endorphinen. Dadurch verbessert sich die allgemeine Leistungsfähigkeit des Gehirns, was auch positive Effekte auf unseren Körper hat.

Fazit

Die hier ausgewerteten positiven Forschungsergebnisse zeigen, dass Computerspiele die körperliche und geistige Gesundheit von Senioren nachhaltig beeinflussen und verbessern kann. Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich das Leben. Wir können allerdings durch den Einsatz unterschiedlicher Methoden verhindern, dass Körper und Geist durch Unterforderung einschlafen. Computerspiele können eine großartige Möglichkeit sein, Geist und Körper fit und gesund zu halten. Außerdem haben die hier besprochenen Forschungsergebnisse sogar gezeigt, dass Krankheitssymptome von Alzheimer oder Depressionen durch den Einsatz therapeutischer Computerspiele nachhaltig verbessert werden können.

Bildquelle

Shutterstock 525360583

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