Senioren am Steuer - ab wann sollte man das Auto besser stehen lassen?

Autofahren im Alter- wann Senioren besser das Auto stehen lassen

Im Alter wird so einiges etwas tückischer: der Körper ist nicht mehr so agil wie vorher, was im Haushalt zu Problemen führen kann. Das Hör- oder Sehvermögen kann nachlassen, was zu einer Einschränkung der Lebensqualität führen kann. Beim Autofahren vom Menschen gute Reaktionszeiten, eine schnelle Auffassungsgabe sowie scharfe Sinne gefordert- im Alter kann das oft nicht mehr geleistet werden, es besteht keine Sicherheit mehr. Trotzdem halten viele Senioren weiter an ihrem Auto fest, obwohl sie auch selbst wissen, dass es besser wäre, das Auto stehen zu lassen. Der Grund dafür sind oft die Unabhängigkeit und das Gefühl der Freiheit, das mit einem Automobil verbunden wird. Wann ist es also besser, das Auto stehen zu lassen? Und gibt es entsprechende Angebote, um den Übergang in ein autoloses Leben zu erleichtern?

Warum bleiben trotzdem viele Senioren beim Auto?

Im Alter lässt der Körper nach, das ist völlig normal. Doch nicht bei jedem Menschen geht das gleich schnell. Es ist möglich, dass eine 90-jährige Seniorin noch vollkommen in der Lage ist, Auto zu fahren und in ihrem Leben noch nie einen Unfall gebaut hat. Ebenso ist es möglich, dass ein 65-jähriger Fahrer schon derart eingeschränkt ist, dass er auf der Straße eine Gefahr für sich selbst und für andere Verkehrsteilnehmer darstellt. Trotzdem halten Senioren an ihren Führerscheinen fest, was mit dem demographischen Wandel in Deutschland und der steigenden Urbanisierung zusammenhängt.
In Deutschland geht der Trend, wie auf der ganzen Welt, hin zur Urbanisierung. Das bedeutet, dass immer mehr Menschen vom Land in die Großstädte ziehen. Gründe dafür gibt es viele: mehr Jobs in den Städten, bessere Infrastruktur, mehr Unterhaltungs- und Freizeitmöglichkeiten: in der Stadt ist einfach mehr los als auf dem Land.
Wenn Menschen vom Dorf in die Stadt ziehen, sind es meistens junge Erwachsene. Sie wollen in einer großen Stadt auf eine Universität gehen, wollen dort einen Job annehmen oder einfach mehr von der Welt sehen. Gerade die Spitzenverdiener sammeln sich den deutschen Großstädten, da die Mieten dort scheinbar ins unendliche steigen.
Die großen Verlierer sind hier die Senioren. Wenn immer mehr junge Menschen in die Städte ziehen, bedeutet das zum einen, dass die Senioren, die bereits in der Stadt leben, auf Grund ihrer kleinen Rente die Miete für die Wohnung nicht mehr bezahlen können.
In den Dörfern, die von den jungen Leuten verlassen werden, bleiben außerdem oft die Senioren zurück. Sie wollen entweder das hektische Stadtleben nicht mehr auf sich nehmen oder können wegen des geringen Einkommens schlicht keine Wohnung dort kaufen.
In Deutschland beträgt das Durchschnittsalter in Großstädten mittlerweile um die 43 Jahre, während in den kleinen Dörfern ein Durchschnittsalter von 60 Jahren keine Seltenheit ist.
Das bedeutet für die Senioren, dass sie oft keine jüngeren Verwandten mehr in der Nähe haben, die sich um sie kümmern können. Außerdem ist der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in den kleinen Dörfern oft so schlecht, dass das Auto die einzige Option zur Fortbewegung ist. Nur so können Senioren allein den Alltag bewältigen.


Welche Risiken gibt es und wie können diese verkleinert werden?


Der menschliche Körper macht im Alter viele Veränderungen durch. Die Beweglichkeit, die Belastbarkeit und die Aufmerksamkeit lassen nach.
Für den Straßenverkehr ist zunächst das Sehvermögen und das Hörvermögen sehr wichtig. Mit den Augen nehmen Menschen fast alle Informationen auf und analysieren so die aktuelle Situation. Andere Sinne wie Geruchs-, Geschmacks- oder der Tastsinn vervollständigen nur den Eindruck der Umgebung. Gerade auf der Straße ist ein guter Sehsinn unerlässlich. Ganz abgesehen von Verkehrsschildern, auf denen wichtige Informationen zur Fahrbahn oder für Kreuzung übermittelt werden, können auch andere Verkehrsteilnehmer übersehen werden. Im Auto bewegt sich der Mensch viel schneller, als er es eigentlich gewohnt ist. Daher kommen Objekte auch schneller auf den Menschen zu und entsprechend gut muss die Sehstärke auch auf Entfernung sein. Reaktions- und Bremszeit sorgen dafür, dass einige Zeit vergeht, bis ein Auto vollkommen zum Stillstand kommt.
Mit dem Alter lässt die Sehstärke oft nach, auch Brillen können dann manchmal nicht mehr als Lösung dienen. Hier kann das Risiko durch häufige und regelmäßige Besuche des Augenarztes reduziert werden. Der Arzt kann eine entsprechende Brille verschreiben oder mit dem Senior darüber sprechen, ob es noch sicher wäre, Auto zu fahren.
Neben dem Sehsinn ist auch der Hörsinn im Straßenverkehr sehr wichtig und kann ein Risiko darstellen. Signale von anderen Verkehrsteilnehmern wie Hupen sind ein wesentlicher Bestandteil des Autofahrens und können auch vor gefährlichen Situationen warnen. Fahrgeräusche des eigenen oder fremder Fahrzeuge sind ebenfalls ein wichtiger Faktor im Straßenverkehr. So kann bemerkt werden, ob das eigene Fahrzeug einen Schaden hat oder ob ein Auto hinter einer unübersichtlichen Kurve entgegenkommt, was einen Unfall vermeiden kann. Auf der Autobahn geben die Spurtrennstreifen außerdem beim Überfahren Geräusche ab, um die Fahrer auf einer Spur zu halten.
Der Hals-Nasen-Ohrenarzt ist wie der Augenarzt das Mittel der Wahl. Das Hörvermögen kann eingestuft werden und es kann beispielsweise ein Hörgerät verschrieben werden.
Neben dem Hör- und Sehsinn sind die Reaktionszeit und die Reflexe des Körpers in brenzligen Situationen oft entscheidend. Wenn auf einmal ein Kind auf die Straße rennt oder ein anderes Auto plötzlich abbremst, entscheidet eine gute Reaktionszeit zwischen Leben und Tod.
Deshalb sollten Senioren auch regelmäßig den Allgemeinarzt aufsuchen, um dort auf Reflexe und Reaktionszeit getestet zu werden. Auch die Beweglichkeit des Körpers kann hier überprüft werden, die zum Beispiel für den Schulterblick sehr wichtig ist. Die Reaktionszeit kann durch das Zuwerfen von Bällen zudem verbessert werden.
Die geistige und körperliche Gesundheit ist im Alter ebenfalls ein Risiko. Krankheiten wie Alzheimer können bei einem körperlich völlig gesunden Menschen zu Schwierigkeiten im Straßenverkehr führen.
Um die körperliche Fitness zu garantieren, kann regelmäßig Sport getrieben werden. Fahrradfahren oder Pilates eignen sich für Senioren sehr gut, um den Körper gesund zu halten. Für die mentale Fitness helfen verschiedene Tätigkeiten wie das Lösen von Kreuzworträtseln, das Spielen von Memory oder das Lesen von Büchern.
Auch das Auto an sich ist wichtig. Es sollte bequem zum Ein- und Aussteigen sein, eine gute Sicherheitsausstattung besitzen und dem Fahrer einen guten Überblick über die Straße geben. Organisationen wie der ADAC bieten auch Fahrersicherheitstrainings an, um sicheres Fahren zu lehren.

Gibt es für Senioren Alternativen zum Autofahren?

In den Städten mit einem guten Nahverkehrsnetz sind die öffentlichen Verkehrsmittel natürlich eine gute Alternative. Viele Städte in Deutschland bieten Senioren sogar an, ihren Führerschein gegen ein Nahverkehrsticket einzutauschen. Das hilft dabei, gefährdete Senioren von den Straßen zu bringen und ermöglicht ihnen, den Nahverkehr kostenlos zu nutzen. Für Städte ist das die optimale Lösung, da die Busse und S-Bahnen oft so getaktet sind, dass der Unterschied zu einem eigenen Auto nicht sehr bemerkbar ist. Im Moment laufen diese kostenlosen Tickets dann für ein Jahr, es gibt aber auch Pläne, den Senioren ein Leben lang die Fahrt in öffentlichen Transportmitteln zu schenken.
Auf dem Land sieht es mit der öffentlichen Mobilität etwas schlechter aus. Sie kommen unregelmäßig und Aktionen wie in den Städten gibt es oft auch nicht. Allerdings haben sich in vielen kleineren Dörfern die Senioren und der Gemeinderat zusammengesetzt und eine Alternative gefunden. Sie bieten private, von der Gemeinde organisierte Busse für Senioren an. Gefahren werden die von ehrenamtlichen Helfern. So können Senioren auch auf Dörfern mobil bleiben.
Andere Senioren gehen mit der Zeit und machen sich das Internet zu nutze. Es gibt inzwischen viele Mitfahr-Apps, wo Personen für kleines Geld von einem privaten Fahrer mitgenommen werden können, wenn der sowieso die gleiche Strecke hat. Da Routen zwischen und in Städten häufiger gefahren werden, ist aber auch dort die Wahrscheinlichkeit höher, eine Mitfahrgelegenheit zu finden.
Wer noch selbst unterwegs sein will, aber einen Geschwindigkeitsverlust in Kauf nehmen kann, der greift oft zu E-Scootern. Die kleinen Roller fahren um die 30 km/h und sind so für Rentner besser geeignet. So müssen Senioren nicht ihre persönliche Mobilität aufgeben.
Zu guter Letzt machen auch die Fortschritte in der autonomen Technologie Hoffnung. Entsprechende selbstfahrende Fahrzeuge sind im Moment noch sehr selten und teuer. Doch in Zukunft können sie zu einer echten Option für Senioren werden, die selbst nicht mehr die Sicherheit für das Autofahren haben

 

Bildquelle

Shutterstock 1033879063

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