Schnell wieder fit nach dem Hüfbruch

Schnell wieder fit nach dem Hüfbruch - wenn zu viel Bettruhe schädlich ist

Besonders bei älteren Menschen ist ein Hüftbruch unglücklicherweise keine Seltenheit. Immer häufiger kommt es zu derartigen Verletzungen, die die Betroffenen in ihrer Mobilität auch nach der Heilung noch stark beeinträchtigen können. Chirurgen haben demnach häufiger mit Brüchen und komplizierten Frakturen älterer Menschen zu tun, als mit Verletzungen von Sportlern oder risikofreudigen jungen Menschen. Ausgelöst werden Hüftbrüche im Alter allen voran durch die schwindende Kraft in den Knochen und Gelenken und einem Nachlassen des Gleichgewichtsinns. Ältere Menschen geraten somit häufiger ins Wanken, stolpern und stürzen letztlich. Die vorhandenen natürlichen Schutzreflexe funktionieren im Alter ebenfalls etwas schlechter, sodass ein Sturz in vielen Fällen nicht verhindert oder abgefangen werden kann. Zudem werden die Knochen im Alter ohnehin anfälliger für Knochenbrüche, da sie häufig durch Osteoporose geschwächt sind.

Vorgehensweise bei einem Hüftbruch

Zur effektiven Behandlung eines Hüftbruchs ist eine Operation notwendig. Diese soll die Fraktur beseitigen und den ursprünglichen Zustand der Hüfte wiederherstellen. Nach einer solchen Operation benötigt der Körper ausreichend Zeit für den Heilungsprozess der Hüfte und eine vollständige Genesung. Damit der Patient wieder völlig gesund werden kann, wird ihm häufig eine langandauernde Bettruhe verordnet, die die Gelenke und Knochen schonen soll. Dies mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, ist jedoch keinesfalls empfehlenswert. Experten haben schließlich herausgefunden, dass eine zu ausgiebig verordnete Bettruhe nicht zu einem schnellen und sicheren Heilungsprozess beiträgt, sondern diesen sogar negativ beeinflussen und stören kann. Der Grund dafür ist eine schwindende Muskulatur im gesamten Unterkörper des Patienten.

Zu lange Bettruhe schadet dem Patienten

Die von Chirurgen oftmals verordnete Bettruhe verlangt den betroffenen Patienten ab, dass diese ausschließlich liegende oder sitzende Positionen innerhalb des Bettes einnehmen. Das Gehen oder Stehen ist strengsten untersagt. Sämtliche Belastung der Hüftknochen und dem zur Folge auch der Beine soll demnach vermieden werden. Diese Vorgehensweise kann den Betroffenen jedoch enormen Schaden zufügen. Selbstverständlich ist unmittelbar nach einer Hüftoperation das selbstständige Stehen oder Laufen einem Patienten nicht zuzumuten und würden das Abheilen der frisch operierten Knochen unterbrechen. Dennoch wird vielen Senioren oftmals eine viel zu lange andauernde Zwangspause verordnet, in der die Beine und somit auch die gesamte Beinmuskulatur nicht belastet werden sollen. In diesem Zeitraum nimmt die Muskulatur der Patienten jedoch drastisch ab und bildet sich zurück. Die Folge hieraus ist, dass es den
Senioren unheimlich schwer fällt, nach der ärztlich angeordneten Bettruhe im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine zu kommen.

Rund einem Drittel der älteren Patienten gelingt es Berichten zur Folge nicht, nach einer Hüftoperation wieder vollständig zurück in den Alltag zu finden. Eine uneingeschränkte Mobilität, wie sie vor dem Eingriff vorhanden gewesen ist, ist vielen Fällen nicht mehr möglich. Die einst selbstständigen Senioren werden zu Pflegebedürftigen, die auf die Unterstützung anderer Menschen angewiesen sind. Sie können ihren Alltag nicht mehr selbstständig meistern und können oftmals nicht mehr allein laufen. Nicht nur die Gesundheit der Senioren wird in einem solchen Fall in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Lebensqualität nimmt drastisch ab.

Es geht jedoch noch schlimmer: Studien zur Folge übersteht jeder 10. Patient noch nicht einmal die ersten vier Wochen nach einem solchen chirurgischen Eingriff im Hüftbereich. Es kommt zum Tod des Patienten, der mit einer angemessenen Nachbehandlung in den meisten Fällen hätte verhindert werden können. Zurückzuführen sind diese schwerwiegenden Folgen alle samt auf die völlig falsch angeordnete Bettruhe und Schonung des Körpers.

Schnelle und sichere Genesung nach Hüftoperation

Damit Todesfälle oder entstehende Pflegebedürftigkeiten künftig vermieden werden können, sehen Experten einen wichtigen Aspekt in einer enge Zusammenarbeit zwischen Chirurgen und Geriatern. Die Chirurgen seien zwar hervorragende Fachkräfte auf ihrem Spezialgebiet, haben jedoch im Umgang mit älteren Menschen und dessen spezieller Nachsorge häufig nur wenig Erfahrung. Geriater hingegen sind Experten auf dem Gebiet der Medizin für ältere Menschen. Eine Kooperation beider Fachärzte würde dem Patienten die besten Chancen auf eine vollständige Genesung bieten. Nur gemeinsam seien die Ärzte in der Lage, eine optimale Behandlung und effektive Wiederherstellung der Mobilität der Patienten gewährleisten zu können.

Neben täglicher, individuell auf den Betroffenen abgestimmter Ergo- oder Physiotherapieeinheiten ist es allen voran von enormer Bedeutung, dass die Patienten das Bett schnell wieder verlassen können. Die behandelnden Ärzte sollten hierbei ein besonderes Augenmerk auf die Muskulatur der Patienten legen. Besonders bei Senioren baut sich die Muskulatur enorm schnell ab, wenn sie nicht mehr in Anspruch genommen oder gefordert wird. Jeder Tag, an dem der Patient sein Bett nicht verlässt und seine Muskeln nicht gebraucht, sorgt für einen weiteren starken Verlust der Muskulatur. Dies kostet die Betroffenen allen voran eine ganze Menge Kraft. Bekanntlich ist es in hohem Alter deutlich schwieriger, die Muskulatur wieder aufzubauen. Anstatt also mehrere Tage oder gar Wochen lang im Bett zu verweilen und sich zu schonen, empfehlen Experten
bereits spätestens am 2. oder 3. Tag nach dem operativen Eingriffs das Bett zu
verlassen und mit ersten, leichten Belastungsübungen zu beginnen.

Zu Beginn wird die Hüfte dabei nur sehr geringfügig belastet. Mit jedem Tag kann jedoch etwas mehr Gewicht eingesetzt werden. Auch die Übungen im Allgemeinen werden von Tag zu Tag intensiver und anspruchsvoller, um die Muskulatur aktiv zu fordern. Im Regelfall verbleiben Patienten nach einer Operation an der Hüfte etwa zwei Wochen lang im Krankenhaus. An den Krankenhausaufenthalt sollte sodann bestenfalls eine vier-
bis sechswöchige Reha anschließen. Hier werden den Patienten von ausgebildeten
Therapeuten wichtige und wirksame Übungen gezeigt, die diese von nun an in ihren Alltag einbauen sollten. Auch werden die Patienten darauf aufmerksam gemacht, wie sie ihre Hüfte richtig ausrichten und Fehlstellungen vermeiden. Um den lange andauernden Heilungsprozess nicht zu gefährden bekommen die betroffenen Senioren wertvolle Tipps für die Bewältigung ihres Alltags an die Hand, die sie auch nach Abschluss der Reha weiterhin beherzigen sollten. Eine vollständige Abheilung einer operierten Hüftfraktur kann nämlich mehrere Monate andauern.

Unterstützung durch Angehörige

Damit die Gesundheit des Patienten schnell wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden kann, spielt die Mithilfe von Familienangehörigen und Freunden eine große Rolle. Zwar werden in allen Krankenhäusern entsprechende Therapiemaßnahmen angeboten, diese sind häufig jedoch nicht auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten, da dies aufgrund der hohen Belastung in Krankenhäusern in der Regel nicht möglich ist. Damit eine schnelle und uneingeschränkte Genesung jedoch erfolgen kann, ist tägliches Training unverzichtbar. Da dies sich für die Senioren allein jedoch eher schwierig gestaltet, können Angehörige aktiv ihre Unterstützung
anbieten und den Betroffenen somit zu einem schnelleren Besserungsweg verhelfen. Bereits einige wenige Minuten Training am Tag können hierbei wahre Wunder bewirken. Die tägliche Beanspruchung der einzelnen Muskeln hält diese auf Trapp und verhindert den Abbau. Selbstverständlich sollten die Patienten hierbei zu keiner Zeit überfordert werden und ausschließlich Bewegungen und Übungen ausführen, die ihnen keine Schmerzen bereiten.

 

Bildquelle

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