Jetzt blüht es wieder - Allergien im Alter

Ein höheres Alter bietet keinen Schutz vor Unverträglichkeiten und Allergien

Mit zunehmendem Alter, so hieß es früher einmal, nimmt die Möglichkeit an Allergien zu leiden, ab. Diese Einschätzung ist leider falsch. Zwar werden von bestimmten Allergie-Formen überwiegend Kinder und Jugendliche betroffen, ein Rückschluss der Allergiefreiheit für das Alter ist jedoch nicht möglich. Allergische Hautreaktionen wie Neurodermitis, die im Säuglings- und frühen Kindesalter auftreten, sind oftmals mit einer Nahrungsmittelallergie verbunden. Ebenso können allergisches Asthma und Heuschnupfen auftreten. Eine Neurodermitis ist mit Arzneimitteln nicht heilbar, die Symptome können sich über einen langen Zeitraum unterschiedlich darstellen. Bei etwa einem Drittel der Patienten klingen die Symptome im Laufe der Jahre ab. Ein Drittel der Erkrankten leidet dauerhaft unter den Beschwerden und greift zur Linderung auf Salben und andere Mittel zurück. Beim Rest der Betroffenen besteht die Möglichkeit, dass die die Neurodermitis später wieder im Erwachsenenalter auftritt. Experten schätzen die Häufigkeit erwachsener Patienten mit einem atopischen Ekzem (Neurodermitis) auf 3 bis 5 Prozent und rechnen mit einer deutlichen Zunahme. Es ist davon auszugehen, dass allergische Erkrankungen im Alter oftmals nicht erkannt, weil nicht vermutet werden. Anders als bei einer Nahrungsmittelintoleranz (Lebensmittelunverträglichkeit) gilt eine Nahrungsmittelallergie als starke Reaktion des Immunsystems. Auf normalerweise harmlose Substanzen konsumierter Lebensmittel zeigt der Körper eine Abwehrreaktion wie bei einem Krankheitserreger. In schlimmen Fällen kann dadurch ein anaphylaktischer Schock (Kreislaufzusammenbruch) entstehen. Dieser ist äußerst gefährlich.

Neurodermitis und andere Allergien bei Seniorinnen/Senioren

Erkranken Menschen mit 65 Jahren und älter plötzlich an Neurodermitis, bleibt die Frage der Vorerkrankung häufig ungeklärt. Die Patienten können sich an Erkrankungen im frühen Kindesalter nur noch selten erinnern. Es bleibt also offen, ob die Neurodermitis erstmalig im Erwachsenenalter auftritt oder reaktiviert wurde. Welche Faktoren eine „schlummernde“ Neurodermitis im Seniorenalter aktivieren können, ist nicht abschließend geklärt. Mit zunehmendem Alter verändern sich die Aktivität des Stoffwechsels, die persönlichen Essgewohnheiten und die Mobilität. Außerdem könnte die hormonelle Umstellung wie bei der plötzlich im Alter auftretenden Schuppenflechte (Psoriasis) eine Rolle spielen. Ebenso kann sich die altersbedingte Schwächung der Hautbarriere krankheitsfördernd auswirken. Besonders anfällig gegen das Auftreten oder Wiederauftreten einer Neurodermitis im Alter sind Menschen mit genetisch bedingten Hautstörungen. Bei sehr um Hygiene bemühten Seniorinnen/Senioren kann bereits ein Wechsel der Seife ausreichen, die Hautbarriere zusätzlich zu schwächen. Dieser Effekt kann ebenfalls durch eine ungeeignete, unzureichende Hautpflege auftreten. Für ältere Menschen ist eine plötzlich auftretende Neurodermitis auch eine psychische Belastung. Durch das beeinträchtigte Hautbild verbunden mit Juckreiz können Depressionen entstehen. Die gerötete, teils schuppende Haut sollte unbedingt fortlaufend mit geeigneten Mitteln behandelt werden. Dazu sollte im Einzelfall ein Hautarzt befragt werden.

Immer mehr ältere Menschen sind von Nahrungsmittel- und Arzneimittel-Überempfindlichkeiten betroffen

Wenn bestimmte Nahrungsmittel oder Arzneimittel Beschwerden auslösen, muss der Ursache auf den Grund gegangen werden. Das Allergiepotenzial hat sich in letzter Zeit durch den Klimawandel, die Verbreitung fremder Pflanzenarten und veränderte Anbaumethoden vergrößert. Bei festgestellten Unverträglichkeiten von Lebensmitteln sind diese zu meiden. Lösen bestimmte Medikamente körperliche Reaktionen aus, muss nach Möglichkeit auf einen alternativen Wirkstoff zurückgegriffen werden. Die Behandlung von Allergien ist im Alter durch andere vorhandene Erkrankungen oft schwieriger. Eine allergie-spezifische Immuntherapie könnte bei einer bereits bestehenden Therapie unter Einsatz von Beta-Blocker problematisch sein. Gemäß Studienergebnissen aus Österreich und Ungarn treten Nahrungsmittelallergien verstärkt bei Bewohnern in Altenpflegeheimen auf. Dabei scheint ein Zusammenhang mit der Behandlung mit Säureinhibitoren zu bestehen. Es kann insbesondere zu schweren Hautreaktionen mit Blasenbildung kommen. Allergische Unverträglichkeitsreaktionen können insbesondere von folgenden Medikamenten ausgehen:

• Antibiotika
• Schmerzmittel
• Kontrastmittel
• Bestimmte Medikamente gegen Krebserkrankungen

Gefährlich sind Überempfindlichkeitsreaktionen auf erforderliche Chemotherapien bei Krebspatienten. Die bei einer Krebsbehandlung verwendeten Substanzen können für die Gesundheit unbedingt erforderlich sein. Bei einigen Medikamenten kann durch übliche Tests und Diagnosen nicht sicher festgestellt werden, ob es sich um ein Allergen handelt. In diesem Fall kann ein sogenannter Provokationstest durchgeführt werden. Dabei erhält ein Patient unter ärztlicher Überwachung im Krankenhaus das betroffene Medikament. Unter kontrollierten Bedingungen werden mögliche Reaktionen bewertet. Um Arzneimittelreaktionen abzuklären, können ebenfalls Präparate getestet werden, die als Alternativen infrage kommen sollen.

Bei Beschwerden im Alter sollte eine Allergie als mögliche Ursache nicht vergessen werden

Neben Einschränkungen der Mobilität erhöhen sich für Menschen mit höherem Lebensalter die Gefahren für die Gesundheit. Bei einigen Erkrankungen können Krankheitssymptome auftreten, die nicht eindeutig auf eine Allergie hinweisen. Dazu zählen Husten, Atembeschwerden und Niesreiz sowie tränende Augen, eine laufende Nase oder Unwohlsein. Zu einer Vielzahl von im Alter auftretenden Gesundheitsbeschwerden wie Bronchitis oder Herzschwäche passen diese Anzeichen für eine Erkrankung ebenso. Sind bereits allergietypische Symptome durch eine andere Erkrankung wie Asthma vorhanden, fällt die allergische Reaktion umso heftiger aus. Die gründliche Suche nach der Ursache von Beschwerden kann bei Allergien dazu führen, dass im Lebensumfeld Allergieauslöser festgestellt und entfernt werden können. Die Sanierung einer Hauswand mit Schimmelbefall oder die Entsorgung von Zimmerpflanzen mit Schimmelpilzen in der Blumenerde können eine schnelle Beseitigung von Beschwerden bewirken. Liegt eine Hausstaubmilben-Allergie vor, können Maßnahmen wie die Verwendung milbenundurchlässiger Bettbezüge ergriffen werden. Eine Tierhaarallergie bei Haustieren kann ebenfalls der Grund für allergische Reaktionen sein. Die Therapiemöglichkeiten von Allergien unterscheiden sich bei älteren und jüngeren Patienten kaum. Dazu sind Antihistaminika in Tabletten sowie als Augentropfen oder Nasenspray erhältlich. Zur langfristigen lokalen Behandlung werden auch kortisonartige Arzneistoffe eingesetzt.
Da ältere Menschen häufig auch andere Medikamente einnehmen, sind Wechselwirkungen möglich und zu überprüfen. Dazu beraten Ärzte und Apotheken. Eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) kann ebenfalls bei Seniorinnen/Senioren erfolgreich durchgeführt werden. Dabei werden Allergieauslöser über mehrere Jahre in steigender Dosierung ärztlich verabreicht. Dadurch sollen die körperlichen Reaktionen auf das Allergen deutlich reduziert werden oder entfallen. Diese Alternative ist in den Fällen empfehlenswert, in denen sich die Allergieauslöser wie zum Beispiel Blütenpollen nicht vermeiden lassen. Diese Behandlungsmethode wird auch als Allergie-Impfung bezeichnet. Die Durchführung sollte durch einen spezialisierten Arzt erfolgen. Fazit: Im Alter können verstärkt Allergien in unterschiedlichen Erscheinungsformen auftreten. Die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten sind oftmals schwierig. Die Haut verändert sich mit der Zeit. Sie wird dünner und immer schlechter durchblutet. Durchgeführte Allergie-Tests an der Haut sind daher nicht mehr ausreichend zuverlässig. Besonders problematisch sind Überempfindlichkeiten gegen Substanzen, die aus anderen Therapiegründen verordnet werden. Bei allgemeinen Krankheitssymptomen älterer Menschen sollte eine Allergie als mögliche Ursache nicht vergessen werden. Die Feststellung von Allergenen im alltäglichen Lebensumfeld kann zur Beschwerdefreiheit und einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führen. Allergien und Überempfindlichkeiten können nicht sicher verhindert und nicht immer erfolgreich behandelt werden. Als allgemeine Vorsorge sind eine gesunde, ausgewogene Ernährung, mehr Bewegung und eine gründliche Hygiene empfehlenswert. Durch ausbleibende oder falsche Diagnosen besteht eine hohe Dunkelziffer bei Schätzungen der an Allergien im Alter erkrankten Menschen. Zur allgemeinen Zunahme von Allergien bei älteren Menschen besteht im Übrigen ein Forschungsdefizit, worauf reagiert werden sollte.

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