Ist Sex im Alter ein Tabuthema?

Wieso wird Sex im Alter verpönt?

Im Jahr 2005 wurde die Pflege-Charta, welche von Teilnehmern des Familienministeriums eingeführt wurde, aufgehoben. Seit dieser Verabschiedung haben Pflegebedürftige in einer stationären Unterbringung kein Recht mehr auf Intims- und Privatsphäre, sowie den Anspruch auf Sexualität. Dass Geschlechtsverkehr im Rentenalter ein Tabu ist, merkt man schon alleine an der Tatsache, dass Masturbieren der Pflegeheimbewohner als unerwünscht und „ekelhaft“ gilt. Mit diesem Hintergrund ist es auch wenig überraschend, dass sogenannte „Streichlerinnen“, der Begriff von Prostituierten für Heimbewohner, verpönt werden. Diese Unsicherheit seitens der älteren Generation rührt also eher von der Umwelt um sie herum, als von sich selbst. Denn auf solche Probleme stößt man nicht nur in Pflegeheimen, auch außerhalb wird dieses Thema tot geschwiegen oder schlecht geredet. Sowas ist schließlich peinlich und eklig. Ist das nicht ein bisschen unfair?

Keiner stellt sich gerne vor, wie Opa und Oma im Bett liegen und sich amüsieren. Aber müsste es dann andersrum nicht genauso sein? Komischerweise trifft es nicht zu, wenn sich jüngere Menschen sogar an einem öffentlichen Ort amüsieren. Nicht auszudenken, wenn es Senioren wären.

Liebe ist altersunabhängig

Es gibt klare Anzeichen dafür, dass sexueller Kontakt den Zustand von Demenzkranken verbessern kann. Der Sexualpartner spielt auch für den älteren Menschen eine wichtige Rolle im Leben, nicht anders als bei der jüngeren Generation.Doch komischerweise scheinen bei diesem Thema trotzdem Welten zwischen den Generationen zu liegen. Dabei ist Liebe doch altersunäbghängig. Dass zwei Menschen miteinander intim werden, ist nur natürlich. Dieses Bedürfnis bleibt auch im fortgeschrittenen Alter bestehen. Genauso wenig gibt es medizinische oder wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, dass Geschlechtsverkehr für Senioren verboten oder ungesund ist.

Sexualberatung mit Humor

Im hohen Alter sollte Sex eher als eine Art liebevolles Beisammensein gesehen werden und weniger als Wettkampfsportart, was sich aufgrund der körperlichen Einschränkungen von selbst erklären dürfte.

Umso wichtiger ist es, genau diese Einschränkungen zu akzeptieren. Im hohen Alter ist man körperlich einfach nicht mehr so ausdauernd und fit. Das bedeutet aber keinesfalls, dass die „Qualität“ des Geschlechtsverkehrs darunter leiden muss – es läuft eben nur etwas anders ab.

Weil Sex im Alter ein Tabuthema ist, fehlt vielen oft der Mut offen über dieses Thema, genauso wie über ihre Sorgen oder Probleme dabei, zu sprechen.
Besonders schwierig wird es für Senioren in einem Alters- oder Pflegeheim, weil in solchen Einrichtungen keine Privatsphäre mehr vorhanden ist. Doch mittlerweile gibt es Sexualberater, die Menschen im hohem Alter aufklären und ihnen somit die Unsicherheit nehmen können. Um ihnen die aufgedrängte Scheu bezüglich körperlicher Liebe zu nehmen, dient Humor meist als hilfreicher Eisbrecher zwischen beiden Fronten. So können lustige Anekdoten des Beraters zu bestimmten Themen die Situation etwas auflockern. Sogar mögliche Besuche in Sexshops soll die Scham und Unsicherheit der Kursteilnehmer abbauen. Natürlich besteht dieses Angebot auf freiwilliger Basis. Desweiteren kann ein Sexualberater hilfreiche Tipps für angenehme und praktische Stellungen geben. Durch die körperliche Einschränkung ist natürlich nicht mehr alles möglich, aber immer noch mehr, als man vielleicht denken mag.

So hat ein Sexualberater auch Ratschläge zum Geschlechtsverkehr mit künstlichen Gelenken (wie zum Beispiel die Hüfte und das Knie), oder bei Erektionsproblemem nach Prostata-Krebs.

 

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