Geistig und körperlich Fit durch Tanzen

Geistig und körperlich Fit durch Tanzen

Dass Seniorensport wichtig ist, um möglichst lange mobil und gesund zu bleiben, ist allgemein bekannt. Mobilität ist eine der Grundvoraussetzungen, um im Alter lange eigenständig leben zu können. Dass ausgerechnet dem Erlebnistanz eine besondere Rolle für den Gesunderhalt zukommt, ist aber eine neuere Erkenntnis. Senioren sehen die meisten Menschen vor ihrem inneren Auge nicht tanzen. Sie nehmen sie vielmehr als gebrechlich und hilfsbedürftig wahr.

Überraschend ist die Erkenntnis über den Gesundheitswert des Tanzens trotzdem nicht. Tanzen verbindet muskelstärkende Bewegungseinheiten mit Spaß am gemeinsamen Tun und mit sozialen Kontakten. Zudem kann auch die geistige Fitness dadurch enorm verbessert werden. Koordination und Kondition werden gleichermaßen verbessert. Das anfängliche Aufwärmen im Sitzen und das musikgestützte Bewegungstraining beim anschließenden Tanzen dienen letztlich auch als Übung zur Sturzprophylaxe.

Vom Erlebnistanz profitieren alle Senioren

Seniorentanz dient dem gemeinsamen Erleben von Körperlichkeit, Begegnung und Spaß. Der Erlebnistanz wird als eigenständige Tanzform betrachtet, weil er rundum auf die Bedürfnisse alter Menschen abgestimmt wurde. Alte Menschen, um deren Mobilität es anfangs eher schlecht bestellt war, erlangten in solchen Tanzkursen wieder Beweglichkeit und Geschmeidigkeit. Das gemeinsame Einstudieren von Tanzschritten und das Memorieren von Abfolgen und Tanzfiguren hält auch den Geist fit. Viele alte Menschen beschäftigen sich anschließend auch Zuhause mit dem Wiederholen der Vorübungen und der Tanzschritte.

Fehler und Vergesslichkeiten bei der Abfolge der Schritte regen zu Gelächter an. Sie betreffen letztlich jeden, der mitmacht. Es tut der Gesundheit gut, zu tanzen, weil das mit weichen und fließenden Bewegungen verbunden ist. Getanzt wird synchron, sodass auch die Koordination und das Konzentrationsvermögen geschult werden. Die Gelenke werden beim Tanzen nicht zu stark belastet. Die Muskulatur wird am Abbau gehindert. Das Erlebnistanzen verhilft sogar Menschen, die durch eine schwere Erkrankung aus dem Takt geraten sind, wieder ins Leben zurück.

Aufwärmtraining im Sitzen

Dass das gemeinsame Tanzen auch der Sturzprävention dient, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Die Senioren lernen, wie sie mit ihrem streikenden und schmerzenden Körper in Einklang bleiben können. Sie lernen, beim Bewegen einen sicheren Stand beizubehalten und bei Drehungen keine Schwindelattacke zu erleiden. Beim Tanzen verliert der Körper Flüssigkeit, die wieder aufgefüllt werden muss. Viel zu trinken, ist beim Seniorentanz eine heilige Pflicht für alle. Schließlich sollen die gemeinsam ausgeführten Bewegungen den Kreislauf anregen und das Blut flüssig halten. Damit auch die Nährstoffversorgung der Senioren verbessert wird, ist ausreichend Trinkwasser unerlässlich. Auch für eine bessere Gedächtnisleistung ist eine angemessene Trinkwasserversorgung essentiell.

Daher achten die Tanzleiter darauf, dass jeder Teilnehmer seine Wasserflasche dabei hat - und in den Pausen auch benutzt. Zum Aufwärmen wird beim Erlebnistanz zunächst ein Stuhlkreis gebildet. Die Senioren sitzen dabei auf der Stuhlkante, damit die Beine beweglicher bleiben. Zur Musik werden die Beine dann nach den Anweisungen einer Trainerin im Takt bewegt. Dabei ist bereits Mitdenken erforderlich, denn die Anweisungen erfolgen in schneller Folge. Im Takt werden die Füße mal vor, mal rückwärts oder seitwärts gesetzt. Die Schenkel werden leicht angehoben oder es werden schnelle Abfolgen wie seit-rück-vor vorgegeben.

Bessere Gesundheit, mehr geistige Flexibilität

Das Gehirn profitiert von dem sitzenden Aufwärmtraining ebenso wie die Muskulatur. Diese kann bei Verspannungen weicher und elastischer werden. Sie wird besser durchblutet. Der gesamte Körper wird zudem einmal wöchentlich trainiert. Beim Tanzen selbst werden nämlich auch die Arme eingebunden. Dem zunehmenden Muskelabbau des Alters setzt das Tanztraining einen seniorengerechten Muskelerhalt entgegen. Freude macht das Ganze den alten Menschen auch noch. Die Vorfreude auf das eigentliche Tanzen ist bei allen Teilnehmern spürbar. In der Kreisformation und in der anschließenden Aufstellung in Reihen wird das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

Was bei einigen Mitwirkenden anfangs nicht gleich klappen will, wird mit zunehmender Übung fließender. Dass der gesamte Organismus schon von den Aufwärmübungen profitiert, ist nachvollziehbar. Wer an chronischen Schmerzen leidet, kann diese manchmal sogar vergessen. Die knackenden Arthrose-Gelenke können mit den Übungen wieder beweglicher werden. Jeder hat die Freiheit, nach seinem eigenen Können mitzumachen. Er kann bei mangelnder Tagesform einen Moment pausieren. So manche Seniorin kommt mit dem Rollator oder Gehstock zum Seniorentanz. Doch beim Anwärmen und Tanzen werden die Gehhilfen in einer Ecke geparkt. Sie sind entbehrlich oder hinderlich.

Menschliche Kontakte erwärmen das Herz

Der Einsamkeit des Alters durch das wöchentliche Erlebnistanzen entfliehen zu können, hat für viele der Mitwirkenden einen hohen Wert. Der Spaß an der Sache ist nicht nur durch die musikalische Begleitung gegeben. Auch das gegenseitige Kennenlernen, die kleinen Gespräche vorher und nachher, das gemeinsame Lachen und das Mitfühlen, wenn eine Mitwirkende wegen Krankheit nicht kommen kann, sind wichtige Elemente. Alle Senioren freuen sich schon auf den Wochentag, an dem Erlebnistanzen auf dem Plan steht. Für manche der Mitwirkenden ist es der einzige Termin, das außer Arztterminen in ihrem Kalender steht.

Das gegenseitige Kennenlernen wird oft auch in der Freizeit fortgesetzt. Man unternimmt etwas zusammen. Zwei Damen besuchen zum Beispiel gemeinsam mit zwei anderen eine Ausstellung. Man lädt sich gegenseitig zum Kaffee ein. Plötzlich ist die Welt der alten Menschen wieder voller Lebendigkeit. Ganz nebenbei spüren die Mitwirkenden solcher Seniorentanzgruppen auch, wie sie zunehmend fitter und mobiler werden. Die Lieder, zu denen getanzt wird, sind teils gute alte Bekannte, die jeder mitsingen könnte. Beim Tanzen aber ist Konzentration gefragt. Harmonische Bewegungen im Gleichschritte erfordern das Achten auf den anderen, ebenso wie auf die eigenen Füße oder die eigene Balance.

Tanzen ist in jedem Alter machbar

Manche der Tanzenden sind schon älter als neunzig Jahre. Andere haben bereits einen Schlaganfall oder eine Hüftoperation erlebt. Einige haben nach gesundheitlichen Einbrüchen noch in der Reha ihre Tanzübungen wieder aufgenommen. Nach einer Operation ist oft wochenlange Schonung vonnöten - aber sobald die Damen wieder einigermaßen mobil sind, kommen sie erneut zum Seniorentanz. Dieser stellt ein Erlebnis dar, auf das sich alle tagelang freuen. Dieser Termin ist für alle deutlich mehr als ein gymnastischer Pflichttermin. Tanzen sei die charmante Schwester der Gymnastik, formulierte es eine mittanzende Seniorin treffend.

Manche Dame leitete einst selbst eine Seniorentanzgruppe. Später gehört sie zu jenen, die unter neuer Führung als Mittänzerin weitermacht. Prinzipiell ist keine Altersgruppe vom Mitmachen ausgeschlossen. Gemeinsam zur Musik zu tanzen, lässt das Alter vergessen. Leider gibt es aber viel zu wenige Tanzleiter, die sich diesem Thema widmen. Der Senioren- oder Erlebnistanz sollte ein Angebot in jedem Altersheim werden. Er könnte in Sportvereinen, Reha-Zentren, Kurorten und anderswo ältere Menschen zum Tanzen zusammenbringen. Deren Gesundheit und Mobilität mit Spaßfaktor zu verbessern, sollte ein gesellschaftliches Anliegen sein.

Von der Freiheit, in Würde alt zu werden

Dem Erlebnistanz mangelt es nicht an Beliebtheit, sondern an Angeboten. Ältere Menschen, die im Rentenalter aus dem Berufsleben ausscheiden, könnten in einer Aufgabe als Seniorentanz-Leiter/in eine neue Aufgabe finden. Für viele Menschen im Alter um die fünfzig wird das Erleben gemeinsam miteinander tanzender Seniorinnen und Senioren zu einer Initialzündung. Wie wichtig die wöchentliche Erlebnistanzgruppe ist, erkennt jeder sofort an den getragenen Outfits. Jede Mitwirkende macht sich für diesen Termin hübsch und stylt ihre Frisur. Mit einem Lächeln begrüßen sich die Gruppenmitgliede. Sie freuen sich, dass es wieder losgeht.

In Würde alt werden zu dürfen, darf nicht bedeuten, dass jemand im Alter nicht mehr dazu gehört. Unsere Gesellschaft stellt alte Menschen öfter an den Rand. Sie überlässt diese weitgehend sich selbst. Daher übernehmen die Kirchengemeinden es oft, den Senioren durch monatliche Klönrunden oder Hockergymnastik einen Treffpunkt zu geben. Wer nicht mehr so mobil ist und von einer kleinen Rente leben muss, vermisst auf Dauer gesellschaftliche Teilhabe und mitmenschliche Kontakte. Heute leben viele Senioren zudem dauerhaft alleine, weil ihre Familien nicht in erreichbarer Nähe leben. Daher ist es sinnvoll, Kontakte unter Gleichaltrigen zu fördern - zum Beispiel durch mehr Angebote mit gesundheitlichem Mehrfachnutzen wie den Seniorentanz.

 

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