E 400 F G - eine Liebe auf den zweiten Blick.

Ach, was haben die Leute in meinem Viertel anfangs hinter mir her gelacht, als ich mir statt eines normalen E-Scooters ein knallrotes Elektromobil mit Kabine angeschafft habe. Ich kann eine Menge Spaß ab, auch solchen auf meine Kosten. Aber ich denke im Stillen: Wer zuletzt lacht, lacht immer noch am besten.

Zugegeben, mein knallrotes "Töff" fällt optisch etwas aus der Rolle. Doch ich bin eine Individualistin, die bei größeren Anschaffungen nach eigenen Kriterien entscheidet. Ich lebe in einer mittelgroßen Stadt an der Ostsee. Der Klimawandel hat mich nachdenklich gemacht. Mehrfach bin ich in den vergangenen Monaten vom Einkaufen klatschnass nach Hause gekommen, weil mich unterwegs Schwerregen erwischt hat. Mit dem Rollator und dem Gehstock war ich zu langsam, um trocken nach Hause zu kommen. Der Bus fährt nur alle Stunde in mein Wohnviertel, das am Stadtrand liegt. Die Folge meiner Exkursionen mit einsetzendem Wettermalheur: Ich war mehrfach stark erkältet.

Durch meine schwere Hüftdysplasie, die Gleitwirbel und die Arthrose wurde das Gehen immer mühsamer. Fahrrad zu fahren, traute ich mir schon länger nicht mehr zu. Nach zwei Stürzen im vergangenen Jahr bin ich vorsichtiger geworden. Die Busverbindungen in meinem Vorort am Rande der weitläufigen Stadt sind katastrophal. Die Busse fahren nur noch stündlich. Mich erwischte die Zeitungsmeldung, dass die Buslinie nun auch noch zugunsten eines Kleinbusses aufgegeben werden sollte, kalt. Das war spätestens der Moment, in dem ich mir über meine schwindende Reichweite Gedanken machte. In einem Kleinbus sind zwei Rollatoren schon einer zu viel. Ich wollte trotz meiner zunehmenden Altersbeschwerden möglichst lange mobil und unabhängig sein. Ich wollte auch im Alter von 73 noch Spaß haben, jederzeit Museen in der Innenstadt besuchen können oder mit meiner besten Freundin Grit in die „Seebar“ fahren, um Käffchen am Wasser zu trinken. Gibt es etwas Herrlicheres?

Die eine kauft einen Scooter, die andere ein Kabinenfahrzeug

Meine Freundin Grit kaufte sich nach ihrer zweiten Hüftoperation 2018 kurz entschlossen einen silbernen E-Scooter. Sie sagte mir, dass sie damit endlich wieder Spaß am Leben hat. Grit hat ziemlich harte Zeiten hinter sich. Sie brauchte wegen ihrer Schmerzen 2018 zwei neue Hüften und war nach den Hüftoperationen wochenlang in der Reha-Klinik. So richtig gut gehen kann sie bis heute nicht. So groß Grits Begeisterung über den E-Scooter auch ist: Sie klagte mir gegenüber schon wiederholt, dass sie trotz aller Freude über die gewonnene Mobilität öfter nass wird. Ihr Regenmantel hält zwar einiges ab, aber die Brille beschlägt, das Regenwasser sammelt sich bei längeren Fahrten in den Schuhen, und die tief ins Gesicht gezogene Kapuze behindert sie beim Sehen nach der Seite. Letzten Endes ist Grit als Schluss aus drei unfreiwilligen Bädern aus weit geöffneten Himmelsschleusen bei schlechten Wetterverhältnissen eben nicht mehr mobil. Stattdessen legt sie ihre Termine um. Ich muss das nicht.

Gestern konstatierte meine liebe Altersfreundin: "Im Herbst und Winter kann es schon kalt werden auf meinen geliebten Elektromobil. Aber wie komme ich dann zum Arzt oder zur Fußpflege? Zu Fuß ist mir das zu weit. Der Minibus fährt nur in ungünstigen Abständen. Da hat dein geschlossenes Elektromobil schon einen Vorteil." Und das hat es aus meiner Sicht tatsächlich. Denn ich fahre im Sommer wunderbar beschattet, mit ausgehängten Türen und durch den Fahrtwind gekühlt in die Stadt. Abends oder im Herbst hänge ich die Türen wieder ein. Ich freue mich an kühlen Tagen an der Heizung, die optional angeboten wurde. Mein Töff beheizen zu können, fand ich ein großes Plus. Ich kann nun in jeder Jahreszeit eigenständig hinfahren, wo es mich hintreibt. Die Einkäufe stelle ich zu meinen Füßen ab.

Mein E-Kabinenfahrzeug ist ein echter Gewinn

Grit meinte: "Tja, Du bist bei Regen und Hitze eindeutig besser geschützt als ich. In Deinem E 400 F kannst Du - unabhängig vom Fahrplan des neuen Minibusses - bei jedem Wetter losdüsen. Du musst Dich nicht mit dem zusammengeklappten Rollator die schmalen Treppen zum Mini-Bus hinauf quälen. Kuschelig warm hast Du es in Deinem roten Töff außerdem noch. Auch wenn die Kabine nicht viel Platz für Gepäck bietet, sehe ich ein, dass sie sehr praktisch ist. Parkplatzprobleme hast Du ebenfalls keine. Mit Deinem Kabinenfahrzeug kommst Du überall durch. Du brauchst nicht einmal eine Garage, sondern parkst es gegebenenfalls in Deinem Gartenhaus." Tatsächlich ist Mobilität für mich immer sehr wichtig gewesen. Ich bin früher viel gewandert. Die Natur zu erleben, ist auch heute eine Herzensangelegenheit. Ich kann mit der Reichweite, die mein Kabinenfahrzeug hat, mühelos den gewohnten Strandabschnitt erreichen. Mein Gefährt hat weder Parkplatzprobleme, noch verpestet es die Umwelt.

Die beiden Trockenbatterien an meinem roten Kabinenfahrzeug sind praktisch wartungsfrei. Dennoch bietet AS Seniorenprodukte einen super Service mit bundesweiten Technikern die innerhalb kürzester Zeit Inspektionen und Reparaturen durchführen. Bislang ist dies aber noch nicht der Fall gewesen. Mit einer Batterieladung kann ich etwa 40 Kilometer fahren. Dabei schaffe ich sogar eine Höchstgeschwindigkeit von angenehmen 15 Stundenkilometern. Da ich eine Erdgeschosswohnung bezogen habe, kann ich mein "Töff", wie ich es liebevoll nenne, über Nacht aufladen. Der Gedanke, dass ich am nächsten Morgen unabhängig von Wetter und Busfahrplänen zum Arzt oder zur Massage fahren kann, macht mir schon beim Einschlafen Freude. Bei Regen kann ich einfach den Scheibenwischer anstellen, um gute Sicht zu haben. Das ist bei Schwerregen ein weiterer Vorteil gegenüber einem konventionellen E-Scooter. Mein knallrotes Elektromobil ist außerdem ein Hingucker. Lass die Leute doch lachen! Die leuchtende rote Farbe erhöht die Sicherheit im Verkehr. Hinten habe ich für die Passage über die Hochbrücke ein Warndreieck aufgeklebt, um von allen gut gesehen zu werden, obwohl die LED Beleuchtung super hell ist. Als alter Mensch muss man doppelt auf seine Sicherheit aufpassen.

Praktisch gedacht

Wenn ich shoppen gehe, kann die die Türen meines Töffs sogar abschließen. Ich setze mich bei schlechtem Wetter auf einen trockenen Sitz, während Grit ihren nicht überdachten Scooter-Sitz erst vom Regenwasser befreien muss. "Du hast mit Deinem Töff deutlich mehr Vorteile!" sagte sie gestern. Es klang fast neidisch. Vor allem, weil ich nun nicht mehr alleine in die Stadt fahre, sondern mit Maximilian, meinem Enkel. "Oma, Du bist echt cool.", meinte er neulich. "Dein Töff ist absolut witzig und ein bisschen schräg. Du wirkst darin nicht so uralt und gehbehindert wie die meisten Senioren, sondern kommst viel peppiger und spritziger daher." Wenn Maximilian Freitags zur Uni fährt und ich zum Arzt, fahren wir eine längere Strecke gemeinsam. Dann trennen sich unsere Wege - aber es ist ihm nicht peinlich, mit mir gesehen zu werden. Im Gegenteil: Er ist stolz auf mich, weil ich so eigenständig und flexibel geblieben bin, und mir auch zutraue, als alter Mensch gegen den Strom zu schwimmen.

In Sachen Mobilität sollte man schon nachdenken, was eine wirklich gute Wahl ist. Ich sehe in meinem Elektromobil E 400 F (G) eine gute Wahl, auch wenn viele Menschen die Optik meines Töffs etwas gewöhnungsbedürftig finden. Für mich sind aber andere Dinge wichtig. Ich bleibe als motorisierter Mensch eigenständig und bin nicht abhängig von anderen. Ich habe in der kalten Jahreszeit Freude an der Heizung meines Töffs, die ein unschätzbares Plus ist. Ich freue mich bei größerer Hitze an den aushängbaren und abschließbaren Türen. Das Fahren ist luftig und ich bin in meinem Sitz trotz offener Türen sicher aufgehoben. Ich genieße die individuelle Anpassbarkeit meines E-Scooters. Ich kann trotz zunehmender Unbeweglichkeit leicht in die Kabine klettern. Mit dem Lenken habe ich von Anfang an keinerlei Probleme gehabt. Im Gegenteil: Ich habe mich wie eine Königin gefühlt, als ich nach einer kurzen Einführung in die Handhabung des Kabinenfahrzeugs alleine losgedüst bin - zum Bridgenachmittag im Gemeindehaus.

Eure Gertrud

Zurück