Die Titanic - das unsinkbare Schiff - Ein unsterblicher Mythos

Ein Mythos lebt

Kaum ein Ereignis hat die Popkultur so sehr geprägt wie der Untergang des angeblich unsinkbaren Schiffs Titanic.
Ob vielfach geliebte Verfilmungen, Museen, Bildbände oder sogar Tauchtouren zum Wrack des Luxusschiffes, auch 107 Jahre nach dem Unglück lässt die Faszination für die Havarie des damals modernsten Schiffes seiner Zeit nicht nach.
Dies liegt zum einen an dem schrecklichen Unglück selbst. Zum anderen übt aber auch die Tragik des Umgangs mit dem Untergang eine Anziehung aus, der sich die Menschen nach wie vor nicht entziehen können.
Nichts spricht so exemplarisch für das menschliche Versagen wie dieses tragische Schiffsunglück, bei dem hunderte Menschen grundlos ihr Leben ließen. Denn die Titanic galt eigentlich als nahezu unsinkbar – eine gefährliche Hybris, die zu einem der größten Unglücke der damaligen Seefahrtsgeschichte führte.
Um also die Liebe der Medien und ihrer Konsumenten zu verstehen, die nach wie vor zu einer großen Popularität der Thematik führt, ist es zunächst unabdingbar, die Geschehnisse in ihrem damaligen Kontext nachvollziehen zu können.

Die Titanic – eine technische Innovation

Die RMS Titanic war ein Passagierschiff der Reederei White Star Line.
Im Jahr ihrer Herstellung, 1912, war sie das größte Schiff der Welt. Vorgesehen war sie für den Einsatz auf der Strecke von Southampton, Großbritannien nach New York in den USA.
Ihre Jungfernfahrt wurde von der damaligen gehobenen Gesellschaft sehnsüchtig erwartet und herbeigesehnt, sollte sie doch eine neue Dimension des Komforts auf Reisen bieten, die damals noch völlig unbekannt war.
Daher wurde auch bei der Gestaltung des Schiffes vor allem auf höchstmöglichen Luxus in der ersten Klasse gesetzt und weniger auf Reisegeschwindigkeit. Die Titanic wurde mit Suiten, luxuriösen Rauchsalons und Speisesälen und einem exklusiven Deck, ausschließlich für Gäste der ersten Klasse, ausgestattet.
In den unteren Klassen schliefen die Passagiere zwar in engen Kabinen, allerdings waren bis dato große Gemeinschaftssäle üblich gewesen. Somit übertraf die Titanic alle bis dato vorhandenen Möglichkeiten der komfortablen Seereise.
Auch die Sicherheit wurde beim Bau beachtet und von der Reederei massiv beworben. Das Schiff war mit vollautomatischen Wasserschutztüren ausgestattet, die 16 voneinander abschottbare Abteilungen völlig wasserdicht verschließen konnten.
Daher wurde die Titanic als praktisch unsinkbar angesehen – ein tragischer Trugschluss.
Und auch die Anzahl der Rettungsboote war der Passagieranzahl nicht angemessen. Es gab lediglich für die Hälfte der Gäste der Jungfernfahrt einen Platz in den Rettungsbooten an Bord. Dies entsprach allerdings dem damals gültigen Gesetz: Für die Anzahl der Rettungsboote wurde das Gewicht des Schiffes zu Grunde gelegt und die Anzahl durfte nach Anzahl der wasserdicht verschließbaren Schotten verringert werden. Nach damaliger Rechtslage hätten daher Rettungsbootplätze für lediglich 756 Passagiere ausgereicht.

Die Jungfernfahrt – ein lang ersehntes Erlebnis für die High Society

Obwohl die Titanic als größtes Schiff der Welt beworben wurde, war sie auf ihrer Jungfernfahrt bloß zur Hälfte gebucht.
Trotzdem befanden sich unter den Gästen zahlreiche Mitglieder der High Society. So waren beispielsweise der Inhaber des New Yorker Kaufhauses Macy’s, der Geschäftsmann Benjamin Guggenheim sowie viele andere wohlhabende und gut vernetzte Geschäftsmänner und Persönlichkeiten der Gesellschaft, Kunst und Literatur an Bord. Die Gesellschaft verband damals eine Faszination für neue Technik und die Liebe für Luxus.

Um die Gäste kümmerten sich 500 Besatzungsmitglieder. Für die Überfahrt waren erhebliche Mengen an Nahrung eingekauft worden.

So fanden sich in den Vorräten beispielsweise 72,5 Tonnen Fleisch oder Fisch, 200 Fässer Mehl, 1100 Kilogramm Kaffee.

Der Fahrtverlauf

Als die Titanic auslief, führte der Sog im Hafen dazu, dass ein Dampfer von seinen Halteseilen gerissen wurde und auf die Titanic zusteuerte. Ein Zusammenprall konnte knapp verhindert werden, verzögerte die Ausfahrt aber.
Nach diesem unglücklichen Start begann die Reise der Titanic nach New York, die etwa sechs Tage dauern sollte.
Da die Titanic sich in kalten Gewässern befand, war das Vorkommen von Eisfeldern bekannt. Diese wurden durch das Ausweichen in wärmeren Gewässern vermieden.
Allerdings waren die Eisfelder in diesem Jahr deutlich weiter ausgedehnt als in vorherigen Jahren. Ob dies, beispielsweise als Funkspruch, an die Offiziere und den Kapitän der Titanic weitergeleitet worden war, ist unklar.
Wären allerdings alle Warnungen weitergeleitet worden, wäre ersichtlich gewesen, dass die Titanic am Abend des Unglücks in einem Eisfeld eingeschlossen war.

Der Untergang der Titanic

Am 14. April gegen Mitternacht warnte der Ausguck des Schiffes vor einem sich nähernden Eisberg. Diese Warnung wurde sofort weitergeleitet und die Titanic gewendet. Der Abstand war allerdings bereits zu gering, um eine Kollision zu verhindern und das Schiff prallte mit voller Geschwindigkeit gegen den schätzungsweise 300.000 Tonnen schweren Eisberg.
Zunächst wurde der Schaden allerdings als gering eingeschätzt, denn augenscheinlich hatte der Eisberg lediglich geringe Lecks verursacht, denen durch das Abpumpen des Wassers entgegengewirkt wurde. Durch das Eindringen des Wassers sank das Schiff jedoch langsam, sodass nun auch nicht wasserdichte Öffnungen wie Bullaugen oder Luftschächte mit Wasser vollliefen.
Der Kapitän beschloss sodann, die Evakuierung der Titanic einzuleiten.
Nachdem Notrufe an Schiffe in der Umgebung gesendet worden waren, die allerdings nicht oder nur zögerlich beantwortet wurde, wurden die Passagier zum Verlassen des Schiffs angehalten.
Prinzipiell galt zwar das Motto „Frauen und Kinder zuerst“, allerdings legten die Offiziere dies unterschiedlich aus. Während einige zunächst gar keine Männer in die Boote einsteigen ließen, konnten unter anderen Offizieren auch Männer in die Rettungsboote gelangen. So wurden insgesamt 74% der Frauen, 52% der Kinder, aber nur 20% der Männer an Bord genutzt.
Außerdem wurden nur 705 von 1.178 vorhandenen Rettungsbooten genutzt und viele auch bei geringster Auslastung bereits zu Wasser gelassen.
Dies ist zunächst damit zu erklären, dass sich viele Passagiere weigerten, die Titanic zu verlassen. Zum Zeitpunkt der Evakuierung zeigten sich noch keine deutlichen Zeichen des drohenden Untergangs, sodass die Passagiere glaubten, die Gefahr in den Rettungsbooten sei höher als auf der Titanic.
Außerdem wurde das Orchester angewiesen, weiterhin fröhliche Musik zu spielen, um eine ausbrechende Panik zu verhindern. Und tatsächlich wurden die Passagiere erst unruhig, als nur noch wenige Rettungsboote verblieben waren und der Untergang sich als sicher abzeichnete.
Letztlich brach die Titanic nach einem langen Prozess des Sinkens im Wasser auseinander.
Nach einem zweistündigen Ausharren der Opfer im Wasser wurden sie von einem nahenden Schiff aufgenommen. Durch die geringe Wassertemperatur starben viele der Passagiere erst im Wasser an den Folgen der Unterkühlung.
Insgesamt fielen dem Untergang etwa 1.500 Menschen an Bord zum Opfer.
Nur bei 711 Menschen gelang die Rettung.

Mehr Sicherheit auf See – die Auswirkungen des Unglücks

Der Untergang der Titanic war ein tragisches Ereignis für die Angehörigen, ebenso wie für die Verfechter der modernen Schiffstechnik. Um das Vertrauen der Menschen in die Seefahrt wiederherzustellen und ein nochmaliges Vorkommen eines solch tragischen Ereignisses zu verhindern, wurde die Passagierschifffahrt in der Folge strengen Sicherheitsvorschriften unterworfen.
So wurde ein modernes Eiswarmsystem etabliert, dass seither mit einem Überwachungssystem aus Flugzeugen, Radarmessgeräten und natürlich Schiffen die Eisbildung in den Meeren kontrolliert.
Außerdem wurde das erste multinationale Regelwerk über den Schutz des Lebens auf See, die „Solas“-Convention (Solas ist ein Akronym für „Safety of life at Sea“) verabschiedet.
Diese schreibt unter anderem das Mitführen einer Anzahl von Rettungsbooten, die sämtliche Personen an Bord aufnehmen kann, vor.
Außerdem mussten Lautsprecheranlagen in Passagierschiffe eingebaut werden, um zu verhindern, dass die Passagiere zunächst per Klopfen an den Kabinen gewarnt werden mussten, wie auf der Titanic geschehen.
So hat die Titanic maßgeblich zur Gestaltung der Seefahrt von heute beitragen.

Die traurigen Überreste - das Wrack heute

Obwohl die Titanic vor 107 Jahren gesunken war, wurde das Schiffswrack erst vor etwa 30 Jahren aufgespürt.
Obwohl es als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt ist, gehen Forscher davon aus, dass es schon in wenigen Jahren zerstört sein wird.
Der Grund dafür sind Bakterien, die sich von dem im Schiff verbauten Eisen ernähren, damit Löcher verursachen und das Wrack damit so destabilisieren, dass es in etwa zehn bis 15 Jahren kollabieren wird, so die Forscher.
Um dem zuvor zu kommen, werden im Sommer 2019 Expeditionen zur Titanic geplant, an denen auch Touristen teilnehmen können.
An diese werden allerdings hohe Anforderungen gestellt. Neben körperlich außergewöhnlich guter Verfassung ist auch die Bereitschaft zu hartem Unterwasser-Überlebens-Training gefordert. Weiterhin müssen Interessierte bereit sein, eine erhebliche Summe in dieses einzigartige Erlebnis zu investieren: Die Teilnahme an der mehrtätigen Expedition kostet rund 100.000 Euro.

Ausstellungen, Bücher und Versteigerungen – Das Geschäft mit dem Unglück

Trotz der traurigen Thematik beschäftigen sich noch immer viele interessierte Wissenschaftler und auch Privatpersonen mit dem Untergang der Titanic.
Dies bleibt auch Wirtschaft und Kulturbetrieben nicht verborgen und so gibt es viele Filme, Dokumentationen, Ausstellungen und sogar Versteigerungen der Original-Artefakte von der Titanic, die regelmäßig Rekord-Preise erzielen.
So wurde beispielsweise in Belfast, dem Ort der Werft, in dem die RMS Titanic gebaut wurde, ein interaktives Museum eröffnet.
Dort können die Besucher vom Bau des Schiffes bis hin zum Zusammenprall mit dem Eisberg die Geschichte des Schiffes und seiner Passagiere, Besatzung und Handwerker nachvollziehen.
Zwar werden wenig Original-Gegenstände ausgestellt, der Fokus liegt allerdings ohnehin auf dem sinnlichen Erleben. So werden sogar die Originalgerüche nachgestellt und im Raum, der den Untergang nachstellt, senkt sich die Temperatur.
Wer also ein Interesse daran hat, sich so interaktiv wie möglich mit der Titanic auseinanderzusetzen, ist im Museum in Belfast bestens aufgehoben.
Außerdem behandeln zahlreiche Sachbücher das Thema und auch soziologische Studien des Verhaltens an Bord wurden durchgeführt.
Und auch die Gegenstände, die von Bord der Titanic noch erhalten sind, haben einen erheblichen Sammlerwert.
So wurde die Geige des Kapellmeisters für mehr als eine Million Euro ersteigert.
Der Kapellmeister, dessen Aufgabe das Weiterspielen zum Vorbeugen einer Massenpanik war, wie wir wissen, hatte sich das Instrument im Koffer an den Körper gebunden, bevor er von Bord gegangen war. Auch er fiel den eisigen Fluten zum Opfer. Der Schätzwert für das Instrument entsprach übrigens noch nicht einmal einem Drittel des letztendlichen Kaufpreises. Sie wurde auf lediglich 300.000 Euro geschätzt.
Und sogar ein Titanic-Kochbuch sowie jährlich stattfindende Themendinner unterhalten Titanic-Fans seit Jahren.

Titanic – der Film

In allgemeiner Erinnerung ist die Titanic aufgrund ihrer Rezeption als Spielfilm.
Die Karrieren von Leonardo DiCaprio und Kate Winslet wurden durch diesen Film in Weltruhmniveau gehoben und beide wurden mit dem Golden Globe ausgezeichnet.
Der Film beginnt mit einer Rückblende: Nach dem Untergang der Titanic begibt sich ein Schatzsucher auf die Suche nach Kostbarkeiten, die angeblich im Safe einer der Luxussuiten des Schiffes lagern.
Da er allerdings nur einen Hinweis auf eine damals Frau findet, beschließt er, sie ausfindig zu machen und mit ihrer Hilfe den Schatz zu bergen. Im Zuge dieser Recherche erzählt die Frau, Rose DeWitt, ihre Geschichte.
Sie verliebt sich an Bord in Jack, einen armen Künstler, ist allerdings in einer arrangierten Verlobung gefangen.
Aus Kummer versucht Rose, sich das Leben zu nehmen, wovor Jack sie rettet und aus Dank von Roses Verlobten zum Dinner eingeladen wird.
Dort kommen sich Rose und Jack näher und verbringen den Abend miteinander. Während darüber innerhalb der Familie Streit ausbricht, kollidiert die Titanic mit dem Eisberg und das Unglück nimmt seinen Lauf.
Der Regisseur James Cameron stellte besonders den Gegensatz von Arm und Reich in den Fokus.
Er wollte den Film allerdings auch durch die Faszination mit dem Schiff selbst anreichern und ließ sogar Originalaufnahmen des Wracks einfügen.
Für diese Mischung aus Drama, Luxus und Gesellschaftskritik wurde der Film später mit elf Oscars prämiert.
Und auch der Filmsong ist legendär: „My Heart Will Go On“ erreichte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien und den USA Platz Eins der Charts und blieb dort für bis zu 48 Wochen.

Und für die größten Fans?

Die Titanic galt 1912 als das luxuriöseste Schiff seiner Art. Doch obwohl Kreuzfahrtschiffe und Luxusliner längst auf einem höheren Stand ausgestattet sind, gibt es wohl viele Menschen, die gern eine Fahrt auf der Titanic unternehmen würden.
Die Reederei Blue Star Line, Abnehmerin der Original-Titanic, baut nämlich gerade eine Nachbildung des legendären Luxusschiffes.
Ab 2022 soll das Schiff dann für Passagiere zugänglich sein und zunächst nach Dubai reisen.
Danach soll das Schiff aber auch auf der Original-Route von Southampton nach New York eingesetzt werden.
Während der Nachbau exakt dem Innenleben der Titanic nachempfunden sein soll, werden modernste Sicherheitstechniken eingebaut, um eine sichere und luxuriöse Reise zu garantieren, so der Reederei-Vorsitzende Clive Palmer.
So wolle man endlich den Millionen Menschen, die von einer Fahrt auf der Titanic träumen, diese Chance geben. Dann kann man getrost sagen: Der Mythos lebt.

 

Bildquelle

Shutterstock 753717796

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