Demenz - die Angst vor dem Vergessen

Die Angst vor dem Vergessen

Demenz ist ein Begriff, der vielen von uns heute Angst macht. Nicht ohne Grund: etwa 1,5 Millionen Deutsche leiden bereits an einer mehr oder weniger fortgeschrittenen Demenzerkrankung. Meistens wird die Krankheit bei über 75-Jährigen diagnostiziert. Ein großer Teil der Demenz-Patient(inn)en leidet in dieser Phase an der Alzheimer Krankheit. Dabei gehen nach und nach das Erinnerungsvermögen, die Mobilität und die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen verloren. In einem schleichenden Prozess kommt es zu starken Persönlichkeitsveränderungen und schließlich zur völligen Hilflosigkeit. Im Endstadium der Krankheit sind Alzheimer-Patienten und Demenzkranke organisch gesund aber auf Rundum-Betreuung und häusliche oder stationäre Pflege angewiesen, um ihren Alltag bewältigen zu können. Dieses Szenario macht verständlicherweise vielen Menschen heute Angst.

Wo ist mein Hausschlüssel?

Warum bin ich gerade in den Keller gegangen? Wie heißt der nette Nachbar nochmal? Diese oder ähnliche Fragen haben wir alle schon einmal gestellt. Manchmal macht uns das Angst und wir fürchten den Beginn einer Demenzerkrankung. Je älter wir werden, desto öfter passiert es uns, dass uns ein bestimmtes Wort nicht einfällt, dass wir in einer Unterhaltung den Faden verlieren oder plötzlich nicht mehr wissen, was wir am Vormittag unternommen haben. Das passiert auch Jüngeren und ist zunächst ganz normal. Der Arbeitsspeicher unseres Gehirns baut sich im Laufe des Lebens ganz ähnlich wie ein Muskel, der nicht regelmäßig trainiert wird, langsam aber kontinuierlich ab.

Mit der zunehmenden Lebenserwartung in unserer modernen Gesellschaft nehmen automatisch die Demenzerkrankungen merklich zu. Nicht nur Alzheimer sondern auch Durchblutungsstörungen im Gehirn, ein schlecht eingestellter Bluthochdruck und viele andere verbreitete Zivilisationskrankheiten wie erhöhte Blutzuckerwerte und hoher Cholesterinspiegel begünstigen das schlechter werdende Gedächtnis von älteren Menschen.

Nicht jede Vergesslichkeit ist aber sofort Grund zu Panik und mit Demenz gleichzusetzen. Auch kontinuierlicher Stress, persönliche Probleme und manche körperlichen Erkrankungen setzen uns zu und schaden unserer geistigen Leistungsfähigkeit. Unser Erinnerungsvermögen nimmt bei Dauerstress und Depressionen signifikant ab. Mit gesunder Ernährung, regelmäßiger Bewegung, gezieltem Gedächtnistraining und psychologischer Hilfe können Sie diese Art der Vergesslichkeit auch im höheren Alter wieder erstaunlich gut in den Griff bekommen.

Wenn Ihnen Gedächtnislücken auffallen, sollten Sie das Problem direkt mit Ihrem Hausarzt besprechen. Vor allem wenn Freunde und Familie Sie schon darauf ansprechen, sollten Sie das Thema nicht peinlich unter den Teppich kehren, sondern möglichst schnell aktiv werden. Mit gezielten Untersuchungen und Tests kann Ihr Arzt schnell feststellen, ob wirklich Grund zu Besorgnis besteht oder eine stressbedingte, leicht terapierbare Erinnerungsstörung vorliegt. Er kann Ihnen gezielte Tipps geben, wie Sie der Vergesslichkeit entgegen wirken und Ihrer geistigen Leistungsfähigkeit wieder auf die Sprünge helfen.

Früherkennung ist wichtig und hilfreich

Je früher eine beginnende Demenz festgestellt wird, desto besser. Betroffene können aktiv gegensteuern und ihr zukünftiges Leben selbst planen oder konkrete Vorkehrungen für den Ernstfall treffen. Es ist falsch, sich in der ersten Panik zurückzuziehen, damit es möglichst niemandem auffällt, wenn das Gedächtnis plötzlich streikt. Proaktives Vorgehen, gezielte Behandlung und regelmäßiges Gedächtnistraining können einem schnelleren Fortschreiten der Erkrankung sehr wirksam Einhalt gebieten. Dadurch können Sie Ihre Mobilität und Lebensqualität lange konstant halten oder im Idealfall sogar wieder verbessern.

Es gibt viele beeinflussbare und aber auch ein paar nicht beeinflussbare Risikofaktoren für die Entwicklung einer Demenz. Ab einem gewissen Alter ist Alzheimer die Hauptursache für Demenzerkrankungen. In sehr seltenen Fällen erkranken auch schon jüngere Menschen an Demenzstörungen. Dann spielen meist erbliche Nervenerkrankungen, schwere Infektionen oder Alkohol- und Drogenmissbrauch eine wichtige Rolle.

Risikofaktor Alter

Je älter wir werden, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für Demenzerkrankungen. Während bei den 65- bis 69-Jährigen derzeit nur etwa zwei Prozent der Bevölkerung betroffen sind, leiden bei den über 90-Jährigen bereits 35 Prozent an Demenzerkrankungen. Zwei Drittel davon sind Frauen. Das liegt zum einen natürlich an der höheren Lebenserwartung von Frauen aber auch an bestimmten hormonellen Faktoren. Auch genetische Gründe können eine Demenz begünstigen. Bei demenzkranken Verwandten ersten Grades ist das eigene Erkrankungsrisiko bereits viermal so groß. Seltener sind vererbte Formen der Alzheimer-Krankheit, bei denen Demenz erstmals schon im Alter zwischen 30 und 60 Jahren auftritt und sich dann schnell weiterentwickelt. Nicht jeder ältere Mensch wird automatisch dement. Geistige Beweglicheit, Übung und Interesse können die Erkrankung wirkungsvoll hinauszögern.

Persönliche Kontakte sind besonders wichtig

Menschen, die viel allein sind und kaum soziale Kontakte pflegen, haben erwiesenermaßen ein höheres Demenz-Risiko als Menschen im Familienverbund, die Rituale leben und sich in der Familie und im Freundeskreis eingebunden fühlen. Auch Schlaganfall- und Parkinson-Patienten sind im Alter stärker gefährdet. Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, hohes Übergewicht und Rauchen sind weitere Risikofaktoren, die zu einer Demenz führen können. Bei diesen Problemfeldern können Sie ansetzen und der eigenen Vergesslichkeit kraftvoll entgegenwirken: Soziale Kontakte, Spaß, gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung schaffen Erlebnisse, die glücklich machen und Demenzerkrankungen vorbeugen oder hinauszögern können.

Rätsel, Gehirnjogging und Freude

Gehirnjogging in Form von Sudoku und Kreuzworträtseln ist wirksam, solange es eine echte Herausforderung bleibt und wirklich anstrengend ist. Unser Gehirn braucht regelmäßige Abwechslung, viel Bewegung und immer neue Reize, um gesund und lange leistungsfähig zu bleiben. Besonders effektiv sind Übungen in Verbindung mit moderater Bewegung: z.B. Kopfrechnen beim Treppensteigen oder Wortspiele beim Nachmittagsspaziergang: je abwechslungsreicher, desto besser. Eine Fremdsprache, ein strammer Spaziergang im Park, die Einkaufsliste rückwärts lesen, als Rechtshänder links schreiben: All das sind Impulse fürs Gehirn, die der schleichenden Vergesslichkeit entgegen wirken. Regelmäßige Treffen mit Freunden und Bekannten, gemeinsames Lachen, Reden und Feiern sind Wundermittel gegen das Altern und die Vergesslichkeit. Auch Enkel und Urenkel sind wunderbare Gehirntrainer gegen den Gedächtnisverlust im Alter. Tanzen, neue Wege gehen, ein Musikinstrument spielen sind kleine und große Gelegenheiten für moderates geistiges Fitnesstraining im Alter. Menschen, die Tagebuch schreiben, trainieren ihr Erinnerungsvermögen und die Ausdrucksfähigkeit auch im hohen Alter.

Gesunde und abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig

Mit den richtigen Lebensmitteln können Sie Ihrem Gedächtnis effektvoll auf die Sprünge helfen und der Demenz ein Schnippchen schlagen

Besonders wichtig ist Flüssigkeit: die meisten älteren Menschen trinken viel zu wenig. Wasser, Kräutertee und Fruchtsaftschorlen decken den hohen Flüssigkeitsbedarf des Gehirns auf gesunde Weise. Essen Sie regelmäßig Karotten, Kürbis oder Mango. Orangefarbenes Gemüse und Obst enthält viel Beta-Carotin oder Provitamin A. Beides ist ein hervorragender Helfer für die Augen und für Ihre Gedächtnisleistung.

Die Vitamine B1, B9, B12 und C sind wichtig für den gesunden Stoffwechsel und eine gesunde Hirnfunktion. Mit dem regelmäßigen Genuss von Bananen, Orangen, Melonen, Avocados und Nüssen, hellem Fleisch, Lachs, Milchprodukten und Ei tun Sie viel für eine ausgewogene Ernährung, die sich positiv auf Ihre Hirnfunktionen auswirkt. Zitrusfrüchte und grünes Gemüse liefern viel Vitamin C und fördern die Durchblutung des Gehirns und die Gedächtnisleistung im Alter merklich.

Zugegeben, Demenz ist in unserer alternden Gesellschaft auf dem Vormarsch, aber Angst ist die falsche Reaktion: Gesunde Ernährung, genügend Flüssigkeit, regelmäßige positive Kontakte zu Ihrem Freundeskreis und der Familie und ein intelligentes Trainingsprogramm für geistige und körperliche Fitness sind ein Schlüssel zu mehr Lebensqualität und Mobilität im Alter. Etablieren Sie Rituale, machen Sie neue Erfahrungen, treffen Sie Freunde und lachen Sie gemeinsam! Mit Spaß und Begeisterung am täglichen Leben tritt Demenz für Sie selbst und Ihre Angehörigen in den Hintergrund. Leben Sie im hier und jetzt und sammeln Sie auch im Alter ungewohnte Erfahrungen. Je mehr Reizen das Gehirn ausgesetzt ist, desto besser arbeitet es auch im Alter. Es lohnt sich immer gegen Vergesslichkeit und geistige Trägheit anzukämpfen. Verschieben Sie die Demenz Ihrer Angehörigen und von sich selbst auf später!

 

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