Arbeiten als Rentner - Was sind die Gründe dahinter?

Das in Deutschland die Zahl der Rentner und Pensionäre immer weiter ansteigt, ist seit langem bekannt. Weniger bekannt ist dagegen, dass die Zahl der Ruheständler, die noch oder wieder einer Arbeit nachgehen ebenfalls ständig wächst. Im Jahr 2018 waren offiziell immerhin 1,4 Millionen Senioren berufstätig.

Warum arbeiten Ruheständler?

Im Allgemeinen werden in den Medien dafür überwiegend negative Gründe genannt. Da ist beispielsweise von Altersarmut die Rede oder das es für viele notwendig ist zu arbeiten, weil die Rente (besonders in Großstädten) nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Altersarmut ein Problem darstellt, kann niemand verleugnen. Viele Menschen aus der älteren Generation sind zu stolz, um staatliche Hilfe (wie zum Beispiel die Grundsicherung im Alter) zu beantragen. Lieber verbessern sie ihr Einkommen, indem sie arbeiten.
Das ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Immer mehr Senioren suchen auch im Ruhestand nach einer Arbeit, weil sie es möchten. Senioren von heute sind anders als die Rentner vor 20 oder 30 Jahren. Heutige Senioren sind fit und voller Energie. Sie haben Freude daran, gebraucht zu werden und zeichnen sich durch eine hohe Mobilität aus. Bei Beginn der Rente denken sie gar nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen und die Tage mit Spazierengehen und Fernsehen zu verbringen. Wenn ein Mensch das ganze Leben über gearbeitet hat und sein Geld mit eigenen Händen verdient hat, ist der Eintritt in den Ruhestand eine gewaltige (und nicht unbedingt positive) Umstellung. Eben noch wurden sie nach ihrer Meinung gefragt und hatten viele soziale Kontakte mit Kollegen oder Kunden, auf einmal gehören sie zum alten Eisen und sitzen unbeachtet und vergessen daheim. Das Leben besteht plötzlich aus sehr viel Freizeit, die ausgefüllt werden muss. Selbst ein Hobby vermag die Leere nicht zu füllen. Arbeit bietet Abwechslung und einen Ausweg aus der frustrierenden Situation.

Welche Vorteile hat Arbeit im Ruhestand?

Die meisten Menschen sehen nur, dass damit das Einkommen verbessert wird. Das ist aber nur einer von vielen Vorzügen. Arbeit bringt Abwechslung und Struktur in Ihr Leben. Sie spüren, dass Sie nicht nutzlos sind, sondern gebraucht werden. Arbeit ist auch ein gutes Mittel gegen Einsamkeit. Durch die Arbeit knüpfen Sie soziale Kontakte und schließen eventuell sogar neue Freundschaften. Wer rastet der rostet. Dieses Sprichwort hat sich schon oft bewahrheitet. Arbeit hält Sie fit und fördert ihre Mobilität bis ins hohe Alter.
Übrigens profitiert auch die Gesellschaft davon, dass mehr und mehr Senioren arbeiten. Ältere Menschen mögen zwar körperlich nicht mehr so fit wie junge Leute sein, das spielt jedoch in immer weniger Berufen eine Rolle, da körperlich schwere Arbeit langsam aber sicher abgebaut wird. Immer mehr kommt es auf Erfahrung, Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis an. Auf diesen Gebieten sind Senioren jüngeren Menschen nicht nur ebenbürtig, sondern oft sogar überlegen. Das hat sich auch bei den Arbeitgebern herumgesprochen. Senioren sind zunehmend gefragt.

Welche Arbeit eignet sich für Senioren?

Das kann man so pauschal nicht sagen, da dabei die individuelle Fitness und eine ganze Reihe weiterer Faktoren eine Rolle spielen. Eines sollten Sie aber unbedingt beachten: Wenn Sie im Alter noch berufstätig sein wollen, sollten Sie an Ihrer Arbeit Freude haben. Entscheiden Sie sich für eine Tätigkeit, die Ihnen Spaß macht und Sie weder körperlich noch geistig überlastet. Im Allgemeinen gilt, dass Arbeiten, bei denen es auf Stärke und/oder Schnelligkeit ankommt, nicht für Senioren geeignet sind. Suchen Sie sich lieber Arbeit, bei der es ruhiger zugeht und bei denen es auf Ihre Erfahrung und auf Ihre Menschenkenntnisse ankommt. Viele Arbeitnehmer, die eine Bürotätigkeit hatten, kommen zum Beispiel im Ruhestand noch mal vorübergehend in ihre alte Firma zurück, oft als Aushilfe oder Urlaubsvertretung.
Sie können sich auch eine völlig neue Arbeit suchen. In den Wochenendausgaben der Zeitungen stehen viele Anzeigen, in denen Rentner für leichte Tätigkeiten gesucht werden.
Sie können beispielsweise Ihr Hobby zum Beruf machen. Wenn Sie gern im Garten arbeiten können Sie stundenweise in einer Gärtnerei oder Gartencenter arbeiten. Auch in der Gastronomie und dem Hotelwesen gibt es viele Arbeitsplätze für ältere Menschen. Wenn Sie ein geschickter Handwerker sind, können Sie zum Beispiel Azubis die nötigen Handgriffe zeigen. Sie könnten auch in Ihrer alten Firma neue Arbeitskräfte einarbeiten und ihnen die notwendigen Kniffe und Tricks beibringen, damit der Job gut von der Hand geht. Manche Ingenieure oder Meister im Ruhestand wirken bei Projekten ihrer ehemaligen Firma als Berater auf freiberuflicher Basis mit. Dort können Sie Ihre große Berufserfahrung einbringen. Neuerdings bietet der Gesetzgeber sogar die Möglichkeit, dass Sie in Ihrer derzeitigen Firma auch nach dem Eintritt in den Ruhestand weiter arbeiten. Dadurch erhöhen Sie sogar Ihre Rente. Sie müssen Ihren Arbeitgeber rechtzeitig darauf ansprechen und mit ihm eine Vereinbarung treffen.

Selbstständigkeit oder ehrenamtliche Tätigkeit

Das sind 2 Optionen, die sie in Erwägung ziehen können, wenn Sie im Ruhestand arbeiten wollen oder wenn es notwendig sein sollte, um der Altersarmut zu entgehen. Keine Angst, es ist nicht nötig, dass Sie als Rentner Ihre eigene Firma gründen. Wenn Sie jedoch geschickte Hände haben, können Sie als selbstständiger Handwerker Geld verdienen. So manche berufstätige Mutter wäre froh, wenn Sie jemanden hätte, der auf ihre Kinder aufpassen könnte - Ihre Chance als Senior! Wussten Sie, dass es sogar Leihopas und Leihomas gibt? Auch das Internet bietet viele Möglichkeiten für Tätigkeiten, bei denen es auf das Alter nicht ankommt. Wenn es Ihnen bei der Arbeit im Ruhestand nicht in erster Linie auf das Geld, sondern eher auf Freude, Abwechslung und Kontakt zu anderen Menschen ankommt, sollten Sie eine ehrenamtliche Tätigkeit in Betracht ziehen. Ob im Tierheim oder bei der örtlichen Tafel oder im Bürgertreff an der Ecke, helfende Hände sind überall gern gesehen.

Worauf sollten Sie achten?

Falls Sie vorhaben, auch im Ruhestand noch zu arbeiten, warten Sie am besten nicht, bis es soweit ist, sondern planen Sie im Voraus. Nutzen Sie die Gelegenheit, so lange Sie noch arbeiten und hören sich um, was es für Angebote und Möglichkeiten gibt. So manche gute Gelegenheit ergibt sich rein zufällig aus einem Gespräch in der Pause oder bei einem Bier nach Feierabend. Wählen Sie eine Arbeit aus, die Ihnen Spaß macht und der Sie gewachsen sind. Gut geeignet sind Tätigkeiten, in denen Sie Ihre Stärken einsetzen können. Sie sollten jedoch Ihre Leistungsfähigkeit nicht überschätzen. Denken Sie daran, dass Sie im Alter körperlich nicht mehr so leistungsfähig sind wie in der Jugend. Am besten gehen Sie die Sache ruhig an. Fangen Sie mit ein paar Stunden pro Woche an und warten ab, wie sich alles entwickelt. Wenn es Ihnen Spaß macht und sie sich nicht unter Druck gesetzt fühlen oder gesundheitliche Probleme haben, können Sie die Arbeit ausweiten. Lernen Sie einfach, auf die Signale Ihres Körpers zu hören. Die Altersgrenze von 65 - 67 Jahren für den Ruhestand ist vom Gesetzgeber festgelegt und keine biologische Grenze. Es gibt Selbständige und Freiberufler, die auch im hohen Alter noch arbeiten. Manche sind sogar als Berater im Ausland tätig.

Zuverdienst und Steuern

Wenn Sie vorzeitig mit Abschlägen in den Ruhestand gegangen sind, müssen Sie bestimmte Grenzen bei Zuverdienst einhalten. Sie dürfen pro Jahr 8.300 Euro zu Ihrer Rente dazu verdienen. Liegt Ihr Jahresverdienst höher, wird 40 Prozent des Betrags über der Obergrenze auf Ihre Rente angerechnet. Die Summe wird durch 12 dividiert und von der monatlichen Rente abgezogen. Diese Beschränkungen enden, wenn Sie das Eintrittsalter für die reguläre Altersrente erreichen.
Darüber hinaus dürfen Sie nicht vergessen, dass Sie auf Ihr Einkommen auch Steuern an das Finanzamt abführen müssen. Da die ganze Angelegenheit ziemlich kompliziert ist, empfiehlt es sich, wenn Sie sich an einen Steuerberater wenden und auf sein Fachwissen vertrauen. Dadurch gehen Sie auf Nummer Sicher und müssen nicht befürchten, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Das Honorar für den Steuerberater können Sie übrigens von Ihrer Einkommensteuer absetzen.

 

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